Ich freue mich, dass sie beim Surfen auf dieser Seite gestrandet sind. Hoffentlich freuen Sie sich darüber auch;-) Seit ich seit 1998 im Internet bin, habe ich viele Leute kennengelernt. Zur Vereinfachung der Kommunikation bin ich auf die Idee zu dieser Selbstvorstellung gekommen. Wer erstmal wissen will, wie ich aussehe, findet hier einige Bilder.
Zunächst einmal stelle ich etwas ganz Triviales fest:
Ich bin ein typischer Homepage-Besitzer!
Denn einer unlängst veröffentlichten Untersuchung zufolge zeichnen sich Homepagebesitzer dadurch aus, dass sie
Wer meinen Namen in einer Suchmaschine eingibt, wird mich vornehmlich in drei Zusammenhängen erwähnt finden:
Hiermit erkläre ich feierlich: ich bin kein Astrologie-Anhänger, kein Buddhist und kein Anthroposoph. Dass es gerade diese Zusammenhänge sind, ist reiner Zufall. Ich könnte genausogut unter Adventisten, Mormonen oder Moslems zu finden sein. Ich interessiere mich für andere Anschauungen und finde es belebend, mich mit ihnen auseinanderzusetzen. Ich finde es interessanter, mich mit Andersdenkenden als mit Gleichgesinnten auszutauschen. Leider wird dies gerade in meiner Kirche - der Evangelischen Kirche - nicht verstanden. Vielleicht ist sie ja auch deswegen so ausstrahlungslos. Denn was ist langweiliger als eine Gemeinschaft Gleichgesinnter, die einander überzeugen wollen? Zumal diese Überzeugung in den meisten Fällen einfach von den Eltern übernommen wurde. So sinkt das kirchliche Leben auf die Stufe gutbürgerlicher Folklore mit besinnlichen Elementen herab.
Eigentlich bin ich ja alles andere als ein Vereinsmensch. Dennoch werde nun ich kurz einige Mitgliedschaften vorstellen:
Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Ich bin ihr sogar freiwillig beigetreten. Sie hat m. E. das Potential, Spiritualität und Freiheit ist ein ausgeglichenes System zu bringen. Mehr als ein Potential ist es leider nicht. In der Realität handelt sich vornehmlich um einen Traditionsverein zur weihevollen Erhebung bürgerlichen Daseins. Es gibt für die Evangelische Kirche nichts Schlimmeres als die Vorstellung, am Rande der Gesellschaft zu stehen. Deswegen ist sie konservativ, wenn das Bürgertum konservativ ist, deutsch-national, wenn das Bürgertum deutsch-national ist, links-liberal und friedensbewegt, wenn das Bürgertum links-liberal und friedensbewegt ist. Sie wird auch neoliberal sein, wenn das Bürgertum neoliberal sein wird. Wie wärs, wenn sich die Kirche mal zur Abwechslung mit Spiritualität beschäftigt? Oder sich auf ihre künftige Rolle entweder a. als kleine spirituelle Randgruppe oder b. als Ritualdienstleistungskonzern ohne nennenswerten eigenen spirituellen Anspruch vorbereitet? M.E. steuert die Evangelische Kirche auf eine der beiden Alternativen zu. Ich tippe eher auf letztere: Die Leute lassen ihre Kinder taufen und konfirmieren und gehen - wenn es um Sinnfragen geht - woanders hin. Denn wenn es um spirituelle Fragen geht, ist bei der Evangelischen Kirche leider nicht mehr viel los. Und wo es versucht wird, ist die Gefahr, dass die Kirche andere Religionen (insbesondere eine bestimmte Religion) als Feindbild dämonisiert, nicht weit. (Dass es auch erfreuliche Ausnahmen gibt, sei ausdrücklich angemerkt!)
Konvent von behinderten SeelsorgerInnen und BehindertenseelsorgerInnen e.V. (kbs) Eine Vereinigung für die Interessenvertretung behinderter evangelischer Geistlicher. Der Pfarrberuf ist als einer der wenigen von der Pflicht ausgenommen, die Schwerbehindertenquote zu erfüllen!
Bundesvereinigung Stotterer Selbsthilfe e.V. (BVSS) Der Name sagt alles.
Nun kommen wir zum obligatorischen Teil einer jeden privaten Homepage: Meine Hobbies
Diese sind: Lesen und Schreiben. Meine Interessen liegen vor allem im geisteswissenschaftlichen Bereich. Vieles davon lese ich am Computer, weil ich hier schnell an gutes und kostenloses Material komme. Insbesondere, was mit dem Thema Religion und ihre Beziehungen untereinander angeht. Außerdem lese ich gerne Krimis, allerdings nur solche, bei denen ich mir sicher sein kann, dass sie nicht zu niveauvoll sind.
Schreiben tue ich in meiner Freizeit. Dabei bin ich weniger belletristisch orientiert, sondern an Sachtexten, Dokumentationen oder Übersetzungen. So stellte ich "Die Kultushandlungen der Christengemeinschaft" (ISBN 3-927890-34-0, frisch vergriffen!) zusammen ... eine Agende der gottesdienstlichen Handlungen, die auf Rudolf Steiner zurückgehen. Ich bin allerdings kein Anthroposoph! Ich bin auch kein Buddhist, nur weil ich "Die heiligen Schriften des Amitabha-Buddhismus" (ISBN 3-933246-53-9) übersetzt habe. Aber weil ich evangelisch bin, habe ich die liturgischen Schriften Thomas Müntzers in modernes Deutsch übersetzt (noch unveröffentlicht). Im Sammelband "Berufen wie Mose. Menschen mit Behinderungen im Pfarramt" (ISBN 3-7806-2572-5) bin ich ebenfalls mit einem Beitrag vertreten.
Unveröffentlicht ist u.a. eine ca. 600-seitige Brevier-Ordnung und die etwa 40-seitige "Theologie des Nichtwissens". Dass sie unveröffentlicht sind, ist aber keine Tragik: Ich schreibe, weil es mir Freude bereitet und nicht, weil ich glaube, dass ich besonders toll und klug bin und deshalb jeder meine Texte lesen sollte. Das heisst nicht, dass ich nicht eitel bin! Aber der Sinn eines verfassten Textes liegt nicht immer in seiner Veröffentlichung!
Meine Doktorarbeit
Mein Interesse an interreligiöser Wahrnehmung hat sich auch in der Themenstellung meiner Doktorarbeit niedergeschlagen:
Ich halte ein interreligiöses Verstehen für sehr wichtig. Deswegen halte ich es auch für sinnvoll, jene Wahrnehmungmuster zu erkennen, mit denen Religionen einander wahrnehmen. Das Andere als Anderes auszuhalten ist immer eine neue Herausforderung. Es gelingt ja oft nicht mal in Bezug auf das Christentum, dessen Fremdheit gerne ebenfalls verdrängt wird. Aber das Fremde und Andere... vielleicht liegt in ihnen das Geheimnis der Welt?
Damit komme ich zu einem Punkt, der mir besonders am Herzen liegt:
Das Geheimnis des Fremden
Da ich aus einem multireligiösen Elternhaus komme - eine Tatsache, die manchem Kirchenfunktionär etwas überforderte ("Entschuldigen Sie, Ihr ausländischer Name macht schon misstrauisch") - ist mir die Frage, wie Religionen zueinander stehen und wie man die fremde Religion verstehen kann, ohne das Fremde mir anzupassen, sozusagen in die Wiege gelegt worden. Ich bin überzeugt, dass im Begegnen mit dem Fremden, Anderen sich das Unfaßbare, Göttliche offenbart. Insofern halte ich nichts davon, die Fremdheit anderer Religionen aufzuheben ("Alle Religionen wollen das Gleiche") oder die Anstößigkeit der eigenen Religion zu beseitigen. Nicht in der Eliminierung dieser anstößigen Elemente, sondern in der Begegnung und im verantwortungsbewussten Umgang mit ihnen gehe ich in rechter Weise mit ihnen um. Ich bin immer wieder schockiert, wie wenig fähig zur Trauer überzeugte Christen über die Verbrechen der Inquisition sind. Es ist eben immer schöner, sich entweder als Opfer der Weltgeschichte oder als Vorkämpfer strahlender Ideale zu stilisieren ("Unser aufgeklärtes Abendland ist Ergebnis des Christentums"), als sich wirklich als das zusehen, was man ist: Vertreter einer Religion, die zwar zehn Engel zu beherbergen vermag, allerdings auch mindestens einen Dämon.
Wenn ich Christ bin, heisst dies nicht, dass ich zu allem christlichen Ja und Amen sage, sondern dass ich mir das Christentum zum Hauptansprechpartner gemacht habe und mir durchaus vorbehalte, bei einigen Dingen anderer Meinung als das Christentum und sogar als Gott zu sein.
Viele Christen (und Buddhisten, Moslems etc.) können aber einen Dissenz zu ihrer eigenen Anschauung nicht ertragen, können die Anderartigkeit und Fremdheit nicht ertragen und versuchen sie dann umzuinterpretieren. Ich sehe hierin Keime der Intoleranz. Mehr hierzu hier.
Aber letztlich geht es mir nicht nur um die Frage des Verstehens. Es geht mir auch um die Frage des Erkennens. Ich habe den leisen Verdacht, dass alles, was wir denken und fühlen unsere tiefe Unwissenheit übertönen soll. Als theoretische Formel ist diese Aussage vielleicht ganz nett. Wenn man sich ihre Bedeutung für die Praxis aber auch emotional verdeutlicht, wird hier ihre Sprengkraft deutlich. Wer jenseits der Richtigkeiten nichts hat, wird hier in Nihilismus verfallen. (Die Angst vor diesem ist - so meine Überzeugung - der tiefe Motivationsgrund fanatischer religiöser oder atheistischer Weltanschauungen.) Wer aber die Richtigkeiten nicht als Aussagen, sondern als Denkanregungen und Möglichkeiten sieht, wird sie erkennen:
Das Wesen des Fanatismusses
Diese Ausführungen werden nicht jedem gefallen. Es gibt viele Menschen, die ihre persönliche Weltanschauung für selbstevident oder göttlich oder wissenschaftlich einwandfrei bewiesen halten. Jegliche Abweichung von ihr beruht in dieser Weltsicht entweder auf Dummheit oder Bosheit. Man findet diese Einstellung in jeder Religion oder Partei. Das Internet ist ein hervorragender Ort, um die Natur und die Wirkungsweise ideologisch motivierten Hasses zu studieren. Gerade in den letzten Jahren ist das Phänomen angestiegen, wie Menschen andere Menschen diffamieren und dennoch der Meinung sind, Vorkämpfer der Menschenwürde und der Toleranz ... und vor allen Dingen: der Wahrheit zu sein. Diese Agressionen gibt es in christlicher, buddhistischer, esoterischer, wissenschaftlicher und noch vielen weiteren Verpackungen. Toleranz ist eben nur so lange schön, solange ich sie mir als abstrakte Eigenschaft zuschreiben und dem "Feind" absprechen kann, damit ich noch besser und er noch schlechter wird. Und der Feind: das ist entweder der Islam, die Kirche, die Juden, die Jesuiten, die Freimaurer, die Homosexuellen, die Esoteriker, die Ausländer, die Wissenschaftler, die politische Strömung X und Y etc. Der menschlichen Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt.
Diese Unduldsamkeit zu erleben und zu studieren - in welchem ideologischen Mäntelchen auch immer - ist ungemein lehreich, allerdings auch frustrierend. Mit dieser Homepage mache ich mich in gewisser Weise angreifbar. Denn durch meine multireligiöse Abstammung und Kontakte habe ich mich in den Augen vieler Fanatiker verdächtig gemacht.
Liturgische Kultur
Ein weiteres Anliegen ist meine Überzeugung, dass religiöses Leben sich weniger im Für-Wahr-Halten bestimmter Richtigkeiten, sondern im Vollzug kultischer Handlungen als Abbild geistiger Wirklichkeiten vollzieht. Ich weiss: dieser Satz klingt schrecklich. Aber er will lediglich besagen: religiöses Leben speist sich nicht aus dürren moralischen Appellen oder abstrakten Wahrheitsbehauptungen, sondern im Bewusstsein eines Darinnen-Stehens in einer Wirklichkeit, die mehr ist als unsere Wahrheit. Kultische Handlungen vermögen dieses Bewusstsein zu pflegen .... allerdings nicht aus sich selber. Sie können sich nur im Rahmen einer "liturgischen Kultur" entfalten, die es in Gegensatz zu Asien oder bei indigenen Völkern im Abendland so gut wie nicht mehr gibt. Der Protestantismus hat diese Elemente immer mehr eliminiert, der Katholizismus hat sie - in Verbund mit einem gewissen Dogmatismus - zwar konserviert, aber spätestens ab 1969 ebenfalls weitgehend abgeschafft.
Im Bereich einiger nicht-kirchlicher Gruppen - Theosophen, Anthroposophen, tibetische Buddhisten etc. - ist ein Bewusstsein für die Bedeutung einer liturgischen Kultur zu erkennen. Auch in einigen kirchlichen Gruppen - wie z.B. der Evangelischen Michaelsbruderschaft - ist dies zu beobachten. Aber eine untergegangene bzw. in einer fremden Kultur verwurzelten Liturgie lässt sich nicht einfach simulieren. Sie muss wachsen und sich der Aufgabe stellen, Spiritualität und Freiheit gleichermaßen zu berücksichtigen, aber auch Authentizität und Moderne. Dies sind Dinge, die sich entwickeln müssen. Man könnte Liturgie als "Psychodrama des Heils" bezeichnen: das, was ausgedrückt wird, wird in einem göttlichen Rollenspiel dargestellt. Es ist mehr als das, was die "Darsteller" mit dem bloßen Willen konstruieren, es kann aber auch nicht ohne sie gehen.
Besonders interessiere ich mich für das in den Klöstern gepflegte Stundengebet (das es auch im Buddhismus gibt) sowie die Mess- bzw. Abendmahlsliturgie, die mit ihrer Vierer-Gliederung "Verkündigung - Opferung- Wandlung - Kommunion" Raum für weitgehende Assoziationen und Interpretationen liefert. Außerdem liegt mir mir am Herzen, die Praxis wiederholender Kontemplation zu pflegen, wie sie z.B. auch im Bereich des Hinduismus und Buddhismus in der Mantren-Meditation, in der Ostkirche das Jesusgebet und im Katholizismus der Rosenkranz darstellt.
Das klingt alles furchtbar ernst. Aber so ist es nicht. Ich trinke immer noch gerne meinen Cafe und ich rede auch nicht dauernd über das,was ich hier schreibe ... obgleich: wenn ich schon vom Cafe rede: von Zeit zu Zeit leiten Anja und ich in in Berlin-Moabit das Philosophisch-Theologische Cafe. In ihm wollen wir theologische Texte lesen ohne Zwang, akademisch oder niveauvoll sein zu müssen, allerdings mit der Möglichkeit, es zu dürfen! Bislang haben wir die Docta ignorantia des Nicolaus Cusanus, Cur deus homo von Anselm v. Canterbury und die Theologia deutsch gelesen, die mystische Schrift eines unbekannten Autors, "Des Frankfurters".
(c) by Dr. Hischam A. Hapatsch 2005 - 2009