Studientipps für Erstsemestler

von Anja Schreiber

30 Stunden pro Woche in der Uni? Kein Problem! Was ich in der Schule geschafft habe, das klappt auch an der Uni. Mit  dieser Überzeugung starten viele ins Studium. Doch die akademische Ausbildung folgt  anderen Regeln  als der Schulbesuch. Ohne Eigenverantwortung läuft an der Uni wenig.
Der Studienbewerber sollte sich schon frühzeitig über sein Studienfach und die Universität informieren. Dr. Peter Figge, Leiter des Zentrums für Studienberatung und Psychologische Beratung an der Universität Hamburg rät deshalb, damit schon in der Schule zu beginnen und z.B. an Uni-Infoveranstaltungen für Schüler teilzunehmen. Auch die Veranstaltungen des Arbeitsamtes und die schriftlichen Infoangebote der Uni wie Studienführer bieten wichtige Fakten an.
In jedem Fall sollten die Uni-Neulinge die ersten Semester zur Orientierung nutzen. Hans-Werner Rückert, Leiter der Studienberatung  an der Freien Universität Berlin rät, die ersten zwei Semester zur Überprüfung der bisher vorläufigen Studienentscheidung zu nutzen. Oft wisse nämlich der Studienanfänger gar nicht, wofür er sich entschieden habe.  
Zur Orientierung an der Uni gehört auch, sich über formale Aspekte des Studiums schlau machen. So sollte sich jeder gleich zu Beginn die Studien- und Prüfungsordnung seines Faches besorgen. In ihnen erfährt er schwarz auf weiß, welche Lehrveranstaltungen bis zur Zwischenprüfung  besucht werden müssen. Wer bei so viel Information  den Überblick verliert, kann sich an die zentrale Studienberatung der Universität wenden. Bei fachspezifischen Fragen steht die Studienfachberatung zur Verfügung.
Es gibt eine Alternative zu der mühsamen Suche nach Infos rund ums Studium: die  Einführungs- und Orientierungsveranstaltungen für  Erstsemestler. Diese Möglichkeit gibt es an jedem Fachbereich und jeder Fakultät. Neben einem Überblick über den Studienaufbau im Allgemeinen und einzelnen Lehrveranstaltungen im Besonderen erfährt der Neuling alles, was man im Uni-Alltag wissen muss: Wo geht´s hier zur Bibliothek und wo zur Mensa? Wie finde ich mich in den Gängelabyrinth meiner Uni zurecht? Studienberater sind sich einig: Diesen Luxus sollte sich jeder frisch gebackene Studi nicht entgehen lassen. Schließlich erfährt der Frischling dort alles, was er sich sonst mühsam erarbeiten müsste.  
Wer diese Gelegenheit nicht verpassen will, muss allerdings rechtzeitig auf dem Campus auftauchen.  Denn die Einführungsveranstaltungen finden teilweise schon vor Beginn des Semesters oder in der ersten Semesterwoche statt. Bereits in der zweiten Woche werden Referate verteilt und dann muss der Studienanfänger auf dem Posten sein. Schließlich wollen viele  schon ihre ersten Scheine - Leistungsnachweise - erwerben.
Doch zum ersten Semester gehört vielmehr als nur die schnöde Studienorganisation. Denn schließlich wollen die Neuen auch Leute auf dem Campus kennen lernen. Auch dafür  sind die Einführungs- und Orientierungsveranstaltungen sinnvoll  Durch gemeinsames Frühstück oder abendliche Kneipengänge können sich die Erstis untereinander kennen lernen.  Anonymität sollte man erst gar nicht entstehen lassen, rät Rückert.   Eigeninitiative ist gefragt.  Deswegen sei es für später an die Uni gekommene Erstsemestler wichtig, die Leute selber anzusprechen.  Die Kommilitonen würden in der Regel nicht auf einen zukommen. Weitere Möglichkeiten Kontakte zu knüpfen bieten z.B. der  Hochschulsport, der Uni-Chor oder die  Studentengemeinden.
Viele Erstsemestler müssen sich einen eigenen Stundenplan  erstellen. Manchen überfordert diese neue Art der Freiheit. Allerdings gibt es auch an der Uni Fächer, die einen höheren Grad an Verschulung vorweisen  als andere Disziplinen und deren Stundenplan  deshalb schon festgelegt ist. Dies ist z.B. bei Medizin der Fall. Doch für viele andere Fächer gilt: Selbstorganisation ist alles. Rückert empfiehlt, im ersten Semester  maximal 20 Semesterwochenstunden  zu belegen.  Weniger kann auch mehr sein, so der Studienberater. Das sieht seine Kollegin Roswitha Hofmann von der Zentralen Studienberatung der Universität Bielefeld genauso.  Sie rät den Erstsemestlern bei der Auswahl der zu belegenden Veranstaltungen zu mehr Gelassenheit. Wenn sich z.B. im Stundenplan Überschneidungen ergeben, sollte das keine Panik auslösen. Wichtige Themen werden regelmäßig wiederholt. Deswegen braucht man nicht alle Veranstaltungen zu wichtigen und interessanten Themen schon im ersten Semester zu belegen.
Bei der Semesterplanung empfehlen Studienberater, nicht nur das eigene Fach in den Blick zu nehmen. Claudia Bernardy, studentische Studienberaterin an der FU Berlin im Fach Humanmedizin, bringt es auf den Punkt: Nie wieder hat man so viel Zeit wie im ersten Semester.  Deshalb sei es sinnvoll über den Tellerrand des eigenen Faches zu blicken und in andere Fächer hineinzuschnuppern.
Einen Tipp hat Bernardy für alle Nachrücker - also für diejenigen Studierenden, die erst im laufenden Semester im Nachrückverfahren einen Studienplatz erhalten haben: Sie sollen unbedingt als erstes zur Studienberatung gehen und sich dort informieren, wie sie am besten einsteigen können.

Das kleine Uni-ABC
Am ersten Tag in der Uni versteht der Erstsemestler oft nur Bahnhof.  Dieses kleine Alphabet soll den studentischen ABC-Schützen den Einstieg ins akademischen Leben erleichtern:
AStA: die Studentenvertretung (Allgemeiner Studenten-Ausschuss). Sie wird vom Studentenparlament gewählt, das wiederum durch Wahlen von der ganzen Studentenschaft  bestimmt wird.  
belegen: Wer eine Veranstaltung besucht, belegt sie. Im Studienbuch werden die besuchten Lehrveranstaltungen eingetragen.
c.t., s.t. sind die Abkürzungen für cum tempore oder sine tempore. Diese Begriffe (von lat.: mit Zeit bzw. ohne Zeit) weisen darauf hin, ob eine Lehrveranstaltung direkt zum angegebenen Termin, oder erst nach der  akademischen Viertelstunde beginnt. Beispiel: Wenn diese um 10 Uhr s.t. beginnt, dann ist damit Punkt 10 Uhr gemeint.  10 Uhr c.t. bedeutet dagegen, dass der Dozent erst um 10.15 Uhr erscheint.
Einführungsveranstaltung: Orientierungsveranstaltungen für Studienanfänger. Als Erstsemestler sollte man diese Termine nicht verpassen.
Fachschaftsrat: auch Fachschaft genannt. Studierendenvertretung einer  Fakultät oder eines Fachbereiches, von den betreffenden Studierenden gewählt.
Grundkurs: eine Pflicht- oder Wahlpflichtveranstaltung während des Grundstudiums.
Grundstudium: Der erste Abschnitt des Studiums, der mit einer Zwischenprüfung oder dem Vordiplom abgeschlossen wird. Anschließend beginnt das Hauptstudium, das mit einem Examen, einer Magister- oder Diplom-Prüfung beendet wird.
Immatrikulation: Einschreibung
Kommentiertes Vorlesungsverzeichnis (KVV): Dieses Verzeichnis enthält alle Lehrveranstaltungen eines Faches, eines Fachbereiches oder einer Fakultät mit zusätzlichen Erläuterungen.  
Matrikelnummer: Listennummer, die jeder Studierende bei der Einschreibung erhält.
Mensa: So nennt sich die Kantine an einer Universität oder Hochschule. Für Studis gibt es Preisermäßigungen.  
N.N. kommt vom lateinischen Begriff nomen nominandum d.h.: der Dozent steht noch nicht namentlich fest.
Prüfungsamt: Es ist zuständig für die Vorbereitung und Durchführung von Prüfungen und die Anerkennung von Studienleistungen. Hier können Studis die geltenden Prüfungsordnungen erhalten. Als Erstsemestler sollte man sich  diese  Ordnungen unbedingt besorgen.  
Regelstudienzeit: Zahl der Fachsemester, in denen ein Student in der Lage sein sollte, ein Studium erfolgreich abzuschließen.
Schein: ein Leistungs- oder Teilnahmenachweis. In der Regel ist eine bestimmte Anzahl von Scheinen Voraussetzung für die Zulassung zu Prüfungen.  
Semesterwochenstunden (SWS): Die Zahl der Stunden, die pro Woche in Lehrveranstaltungen verbracht wird. Wenn ein Studi z.B. sechs  SWS belegt, bedeutet dies, dass er in der Vorlesungszeit Lehrveranstaltungen besucht, die pro Woche sechs Stunden umfassen.
Seminar: Lehrveranstaltungen in kleinerem Rahmen. Man unterscheidet zwischen Pro- und Hauptseminaren, je nachdem, ob sie für Studienanfänger oder Fortgeschrittene angeboten werden.
Studentenausweis: Der Ausweis für Studierende ermöglicht viele Ermäßigungen. Er ist häufig auch die Voraussetzung für Bibliotheksausweise.  
Vorlesungsverzeichnis: Verzeichnis aller Lehrveranstaltungen, die an einer Hochschule angeboten werden.
Zwischenprüfung: Prüfung am Ende des ersten Studienabschnitts.

Checkliste:
Was darf ich im ersten Semester auf keinen Fall versäumen versäumen? Wer sich diese Frage stellt, dem hilft vielleicht ein Blick auf diese Checkliste:
Bafög beantragen: Einen Antrag auf Bafög kann man erst stellen, wenn man immatrikuliert ist. Es ist aber sinnvoll, sich schon vorher beim Bafög-Amt die Formulare zu besorgen und die geforderten Einkommensnachweise zusammenzustellen.
Das Vorlesungsverzeichnis, die Prüfungsordnung und weitere Info-Broschüren besorgen: Zwei Dinge braucht man, um sich einen Stundenplan zusammenzustellen: Das Vorlesungsverzeichnis mit allen Lehrveranstaltungen - manche Unis haben auch Kommentierte Vorlesungsverzeichnisse für die einzelne Fächer - und die Prüfungs- und Studienordnung. Sie schreibt vor, welche und wie viel Veranstaltungen obligatorisch sind und welche Leistungsnachweise man erwerben muss. Viele Unis bieten darüber hinaus noch Infomaterialien an. Auch ein Besuch der Uni-Homepage hilft bei der Suche nach Informationen weiter.
Einführungsveranstaltung besuchen: In den Vorlesungsverzeichnissen oder an den Schwarzen Brettern werden die Einführungsveranstaltungen angekündigt. An einzelnen Fachbereichen oder Fakultäten werden Einführungswochen oder -tage angeboten, andere organisieren sogar Fahrten. In jedem Fall sollte man diese Veranstaltungen besuchen. Auch die Universitäts-, Fachbereichs- und Institutsbibliotheken bieten Einführungen an. Diese Möglichkeit ist für Erstsemestler auch ein Muss.
Beratungen wahrnehmen: Trotz der Lektüre von Prüfungsordnung und Infomaterial können doch noch Fragen offen bleiben. Dafür sind die Mitarbeiter der Studienberatung zuständig.  Den Studienfachberatern  kann man spezielle Fragen zum Studium stellen.
Sich räumlich orientieren: Bei vielen großen Universitäten und Hochschulen liegen die einzelnen Institute oder Fakultäten weit auseinander. Auch die Frage, wo ein bestimmter Hörsaal ist oder wie man zur Mensa kommt ist manchmal nicht leicht zu beantworten. Deshalb der Tipp: Lageplan besorgen und sich räumlich orientieren.
Soziale Kontakte knüpfen: Wer neu in ein Stadt kommt, muss Kontakte knüpfen. In den Einführungsveranstaltungen können Erstsemestler Kommilitonen kennen lernen, die sich ebenfalls am Anfang des Studiums befinden. Auch im Uni-Chor, einer studentische Theatergruppe oder den Studentengemeinden der verschiedenen Religionsgemeinschaften kann man gleich gesinnte Leute treffen.

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