Wir basteln uns einen Chefsessel!

Erfolgreich eine Existenz gründen!

von Anja Schreiber

Am Anfang war das Konzept
Gründerboom, Venture Capital, Business Angels. Kaum mehr wegzudenkende Begriffe, die sich um die Gründung von Unternehmen ranken. Längst haben Politik und Wirtschaft begriffen, dass an den Universitäten und Hochschulen ein großes Potential an Know-how und Kreativität zu Hause ist - prädestiniert für Unternehmensgründungen. Immer mehr Institutionen an und rund um Hochschulen helfen Studierenden bei der Gründung eigener Firmen. Und nicht zuletzt deshalb taucht bei dem einen oder anderen Studi die Frage auf: Soll ich mich selbständig machen? Ich habe doch so eine tolle Idee.
Doch wie geht es dann weiter? "Zu erst einmal sollte der Student seine tolle Idee auf´s Papier bringen", rät Prof. Karl Neunast, Gründungsbeauftragter an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg. In diesen Text müsse auf jeden Fall stehen, was die eigene Idee vor der Konkurrenz auszeichne. Diese Meinung teilen viele Berater von Start-up-Unternehmen. Andreas Bißendorf, Teamleiter des Businessplan-Wettbewerbs Berlin-Brandenburg, bringt das so auf den Punkt: "Die Idee reicht nicht aus, um erfolgreich zu sein." Zur Unternehmensgründung gehöre nicht nur ein hervorragendes Produkt, sondern eine klare Vorstellung, wie Produktion, Marketing und Vertrieb im eigenen Betrieb ablaufen sollen.
Eines sollte bei der Planung immer im Mittelpunkt stehen: der Kundennutzen. Bißendorf rät, auf den potentiellen Kunden zuzugehen und ihn z.B. auf der Straße zu fragen, ob er ein bestimmtes Produkt oder eine bestimmte Dienstleistung brauche und wie viel Geld er bereit wäre, dafür zu zahlen. Oft würden Forscher an den Hochschulen von ihren Entwicklungen denken, sie seien noch nicht fertig. "Aber der Kunde braucht nur ein Produkt, das 100-prozentig sein Problem löst", so Bißendorf.
Doch nicht nur die Unternehmensidee muss stimmen, auch die Frage nach der Qualifikation des ambitionierten Gründers ist wichtig. "Zunächst muss man sich fragen, ob es überhaupt eine gute Idee ist, direkt nach dem Studium oder gar statt eines Studienabschlusses ein Unternehmen zu gründen, also ohne dass man Berufserfahrung hat", meint Prof. Christian Schade vom Institut für Entrepreneurship der Humboldt-Universität zu Berlin. Wenn man dies vorhabe, sollte man auf jeden Fall erfahrene Gründungsmitglieder suchen.
Sven Ripsas, Geschäftsführer des ExistenzGründer-Institutes weiß, dass der Gründer sich auf die Frage konzentrieren müsse: Wie will ich Geld verdienen? Und dazu gehöre auch betriebswirtschaftliches Know-How. "Wer eine Crash-Kurs in BWL gemacht hat, darf nicht glauben, alles verstanden zu haben und gegen alles gewappnet zu sein", warnt Ripsas. Schade ergänzt: "Möglicherweise schafft das eine ´Scheinsicherheit´, die zu dem hohen Prozentsatz von Insolvenzen bei Unternehmensgründungen beiträgt."
Eine Möglichkeit, sich bei der Unternehmensgründung begleiten zu lassen, sind die so genannten Businessplan-Wettbewerbe. Im Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg treten die besten Geschäftskonzepte gegeneinander an. Sie werden von einer Jury bewertet und die besten werden prämiert. Die Teilnehmer können sich mit Hilfe von Seminaren und Workshops auf die Erstellung des Businessplans vorbereiten und sich z. B. über Themen wie Finanzierung oder Werbung informieren. Außerdem stehen Experten als Berater zur Verfügung. Über den Wettbewerb könnten - so Bißendorf - vielfältige Kontakte geknüpft werden, z.B. auch zu Bankern.
Ein anderer Weg um sich auf eine Unternehmensgründung vorzubereiten geht über die eigene Hochschule. So können Studierende der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg Lehrveranstaltungen zum Thema Unternehmensgründung besuchen. In diesen Seminaren werden unternehmerische Fragestellungen erörtert und Ideen spielerisch umgesetzt, so Neunast. Studierende, die das gleiche Ziel haben, lernen sich so kennen. Auch hier kommen die potentiellen Gründer mit Experten aus der Wirtschaft zusammen. Gerade den Kontakt mit anderen gründungswilligen Studierenden halten Experten für besonders wichtig. Denn so könnte man Mitgründer für das eigene Unternehmen finden. Die gemeinsame Gründung eines Betriebes, so Ripsas, setzt allerdings viel Vertrauen voraus und ist durchaus mit einer Ehe vergleichbar. Allerdings muss nicht nur die persönlich Ebene stimmen, man braucht - so die Einschätzung der Experten - unter den Gründern Leute mit fundiertem BWL-Wissen, aber auch mit Industrie-Erfahrung.
Auf diese Fakten achten auch die Geldgeber - egal ob der Gründer sich sein Kapital als Darlehen bei einer Bank leiht oder sich um Venture Capital bemüht. Wer auf der Suche nach der Finanzierung seiner Geschäftsidee ist, der kommt nicht umhin, einen Businessplan zu erstellen. Dieses Werk aus Ideenbeschreibung, Marktanalyse und Rentabilitätsrechnung ist Entscheidungsgrundlage für die Geldgeber.

Tipps rund um die Existenzgründung

Die Idee ist zündend, die Motivation enorm - allein es fehlt die Umsetzung. Damit aus der Idee auch ein florierendes Business wird, solltest Du ein paar grundlegende Dinge beachten.
- Wer eine Geschäftsidee hat, sollte diese erst einmal aufs Papier bringen und seine konkreten Ziele, sein Produkt oder seine Dienstleistung so detailliert wie möglich beschreiben. Auf zwei Fragen muss der Gründungswillige auf jeden Fall eine Antwort wissen: Wie will ich Geld verdienen? Was unterscheidet mich von meiner Konkurrenz? Dieser erste Text kann Ausgangspunkt für einen Businessplan sein.
- Neben der Idee gehört zur Unternehmensgründung aber noch vieles mehr. So muss sich der angehende Unternehmer über seine Qualifikation, aber auch über seine Schwächen klar werden. Wie viel Berufs- oder Industrieerfahrung habe ich? Über welches betriebswirtschaftliche Know-How verfüge ich? Wie kann ich meine Schwächen z.B. durch Trainingsprogramme minimieren?
- Doch nicht nur die fachliche Qualifikation sollte bedacht werden, auch die persönlichen Verhältnisse des Gründers spielen eine wichtige Rolle. Bin ich bereit, das entstehende Risiko einer Gründung mit den damit verbundenen finanziellen Unwägbarkeiten zu tragen? Wie ist meine gesundheitliche Konstitution? Lässt sich mein Unternehmertum mit meiner familiären Situation vereinbaren? Wie steht mein Lebenspartner zu diesen Plänen?
- Informationsdefizite sind die zweithäufigste Ursache für Insolvenzen. Deshalb ist es in jedem Fall sinnvoll, qualifizierte Beratung in Anspruch zu nehmen. Ganz unterschiedliche Institutionen bieten solche Serviceleistungen an. Zum einen sind die Technologie-Transferstellen der einzelnen Unis ein wichtiger Ansprechpartner. Einzelne Unis haben Netzwerke für Unternehmensgründungen gestartet. Auch die regionalen Businessplan-Wettbewerbe und die Lehrstühle für Entrepreneurship sind wertvolle Informationsquellen. Neben diesen spezifisch auf die Hochschule abgestimmten Angeboten bieten Kammern wie die IHK, aber auch Banken wie die Deutsche Ausgleichsbank ebenfalls Beratung an.

Der Businessplan

Von der Geschäftsidee zum erfolgreichen Unternehmen. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist die Erstellung eines Businessplans. Aus einer groben Idee wird so ein detailliertes Geschäftskonzept. Der Businessplan oder Geschäftsplan trat seinen Siegeszug in den USA an. Dieses unternehmerische Konzeptpapier diente dort den Gründern bei der Aquise von privaten Investoren oder Venture Capitalists, sog. "Wagniskapitalgebern". Heute ist er aus Deutschlands Gründerszene nicht mehr wegzudenken.
"Der Businessplan hat als Zielstellung, die Geschäftsidee und Strategie eines Unternehmens vollumfänglich darzustellen", berichtet Katharina Wojcicki, Jurorin beim Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg und Geschäftsführerin der Unternehmensberatung Innovations & Venture-Partners. Der Plan ist also viel mehr als nur die knappe Skizzierung einer Geschäftsidee, denn neben dieser beleuchtet er auch das wirtschaftliche Umfeld. Ein Existenzgründer wird bei der Erstellung solch eines Schriftstückes gezwungen, sich systematisch mit seiner Geschäftsidee auseinander zu setzen. Egal, ob es sich um die Beschreibung der Unternehmensform, des Marketingkonzeptes oder der Finanzierung handelt: der Jungunternehmer ist aufgefordert, seine Geschäftsidee zu präzisieren. Der große Vorteil liegt auf der Hand: Je detaillierter sich angehende Gründer mit ihrem Konzept auseinander setzen, desto eher können Probleme und Fallstricke erkannt werden.
Doch die eigentlichen Adressaten sind potentielle Geldgeber. Gerade deshalb muss und soll ein Businessplan durch Klarheit und Verständlichkeit überzeugen. Studierende müssen also erstmal umschalten. Denn auch wenn während des Studiums in Hausarbeiten großer Wert auf Klarheit und Sachlichkeit gelegt wird: normalerweise schreibt ein Studi als Spezialist für Spezialisten. Aber gerade das ist beim Geschäftsplan anders. Das Schriftstück muss so formuliert sein, dass auch ein Laie die Geschäftsidee versteht. "Keep it easy and simply", bringt es Christof Sagasser, Juror beim Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg und Investment-Manager bei der VEAG Beteiligungsgesellschaft auf den Punkt. Bei aller Begeisterung für die eigene Idee sollte der Ton im Geschäftsplan sachlich bleiben.
Wer gemeinsam mit Kommilitonen ein Unternehmen gründen will, wird vielleicht die Arbeit am Plan auf mehrere Schultern verteilen wollen. Doch Experten empfehlen: Der Text sollte inhaltlich und optisch eine einheitliche Linie verfolgen. Es ist sinnvoll, den Businessplan leserfreundlich in einheitlicher Formatierung zu gestalten.
Wer die letzten Sätze seinen Geschäftsplanes in den Computer getippt und alle Punkte wie Produkt, Markt und Marketing beschrieben hat, kann sich noch nicht wirklich zurücklehnen. Denn bei einem Businessplan ist die Überarbeitung nicht weniger wichtig als seine Abfassung. Sagasser vergleicht die Entwicklung eines Geschäftsplanes auch mit der Arbeit eines Architekten. Auch dieser nehme beim Fortschreiten des Baus immer noch Überarbeitungen an seinen Plänen vor. "Der Businessplan lebt", so Sagasser.
Der Gründer sollte seinen Plan auch vorher testen. Der mögliche Geldgeber darf also nicht der Erste sein, der den Businessplan liest. Weit sinnvoller ist es, dass vorher andere Leute sich den Text zu Gemüte geführt haben - egal, ob es Kommilitonen oder die eigenen Großeltern sind. Denn diese Außenstehenden können den Gründer auf Schwachstellen seines Konzepts hinweisen. Der Jungunternehmer Knut Scholz (33) hat es so gemacht. Zuerst reichte er sein Papier beim Businessplanwettbewerb ein. Als es dort mit seinem Konzept nichts wurde, machte er dennoch unverdrossen weiter. Er präsentierte sein Konzept verschiedenen Wagniskapitalgebern, lernte aus seinen Fehlern und fand dann die Gesellschaft, mit der "er von Anfang an zusammenarbeiten wollte". Das passende Kapital für seine Internetplattform allmaxx, auf der Studis preiswert einkaufen können, war ihm damit sicher.

Businessplan konkret
Was steht eigentlich drin im Businessplan? Ein Businessplan beginnt in der Regel mit der *Zusammenfassung*. Das hört sich zwar paradox an, ist aber doch schlüssig. Denn bevor der Leser sich in die Einzelheiten vertieft, hat er in der Zusammenfassung die Möglichkeit, sich grundsätzlich über das Unternehmen zu informieren. Deshalb müssen in diesem Text schon alle wichtigen Fakten über das Produkt, die Dienstleistung und das Marktpotential enthalten sein. Aber auch die Beschreibung des Managementteams und möglicher Risiken sowie die Eckdaten der Finanzplanung dürfen nicht fehlen. Wojcicki: "Oft entscheidet man aufgrund dieser Zusammenfassung, ob Geschäftsidee und Marktaussichten viel versprechend sind."
Ein wichtiger Tipp: Es macht Sinn, die Zusammenfassung als Letztes zu schreiben, wenn also alle anderen Bestandteile des Businessplans stehen. Er sollte besonders sorgfältig verfasst werden. In der Regel wird hier von einem Seitenumfang von etwa drei Seiten ausgegangenen.
Neben der Produkt- oder Dienstleistungsbeschreibung gehören zum Businessplan Abschnitte über den Markt und das Umsatzpotential sowie das Vertriebs- und Marketingkonzept. Die wichtigsten Fakten über das Managementteam gehören ebenso in den Text wie das Zahlenwerk des Finanzplans, der sich aus der Kalkulation des Kapitalbedarfs, der Personal- und Investitionsplanung sowie der Rentabilitätsvorschau zusammensetzt.
Besonderen Wert legt die Jurorin Katharina Wojcicki auf die Vollständigkeit des Businessplans. Einer der wichtigsten Teile des Businessplans ist neben der Geschäftsidee die Marktanalyse. Sie sei der schwierigste Teil. Aber auch auf die Erfahrung und Zusammensetzung des Managementteams komme es an.
"Einen professionellen Businessplan erkennt man an klarer Struktur, einer durchgängigen Story-Line und umfänglichen Marktanalysen", betont Wojcicki. Dazu gehörten auch fundierte Rechercheergebnisse, ein sauberer Finanzplan und die realistische Einschätzung von Risiken und Chancen. Insgesamt sollte der Plan nicht mehr als 30 bis 40 Seiten umfassen.
Wer sich unter verschiedenen Plänen die beste Vorlage für sein eigenen Text suchen will, sollte in einer Suchmaschine den Begriff "Businessplan" eingeben. Die verschiedensten Institutionen haben ihre favorisierte Form ins Netz gestellt.
Eine wichtige Komponente, die in jeden Geschäftsplan gehört, ist die Beschreibung des Unternehmens. Dazu gehören zum Beispiel Angaben über die *Rechtsform des Unternehmens* - ist es eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung oder eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts? Bei der Wahl der Rechtsform sollte der Jungunternehmer frühzeitig einen Fachmann, z.B. einen Steuerberater zu Rate ziehen.
Zentral für die Darstellung ist natürlich die Beschreibung des *Produktes* oder der *Dienstleistung*. In Mittelpunkt aller dieser Ausführungen sollte unbedingt der Kundennutzen stehen. Welchen Vorteil hat der Kunde? Auch weitere Fragen müssen erörtert werden: Wie ist der Entwicklungstand des Produktes oder der Dienstleistung? Muss das Produkt erst von behördlicher Seite zugelassen werden? Wenn es um die Herstellung eines Produktes geht, müssen auch der Fertigungsprozess, die Produktionsmittel und die Herstellungskosten beschrieben werden.
Um als Jungunternehmer erfolgreich zu sein und ein Produkt oder eine Dienstleistung am *Markt* zu platzieren, muss man diesen analysieren. Und diese Analyse ist einer der wichtigsten Teile im Businessplan. Dazu gehören z.B. Informationen über die Branche: Wie groß ist der Gesamtumsatz der Branche? Wächst die Branche? Welche Trends zeichnen sich ab? Wie entwickeln sich Preise, Kosten und Renditen? Öffentliche Informationsquellen sind z.B. statistische Ämter, Handwerks- sowie Industrie- und Handelskammern. Auch Banken können mit Informationen weiterhelfen.
Neben der Branche im Allgemeinen müssen z.B. auch die Mitbewerber unter die Lupe genommen werden. Wieder gibt es eine Reihe von Fragen, die der Geschäftsplan beantworteten sollte. Wer bietet vergleichbare Produkte an? Welche Preise und Kosten haben die Mitbewerber? Arbeiten sie profitabel? Auch das Kaufverhalten und der Kundennutzen sollte in eine Marktanalyse Eingang finden. Wie der Gründer zu all diesen Informationen kommt, bleibt ihm selbst überlassen. Viele Experten betonen, dass der Fantasie hier keine Grenzen gesetzt seien. Auch mit unkonventionellen Mitteln könne man zum Ziel kommen, z.B. durch Straßenumfragen.
Wer den Markt analysiert hat, sollte nun beschreiben, wie er das Marktpotential ausschöpfen will. Auch hier muss der Gründer auf einige wichtige Fragen ein schlüssige Antwort rund um das Thema *Marketing* und *Vertrieb* wissen. Wie sieht die Markteinführungsstrategie aus? In welchen Schritten gliedert sich die Einführung des Produkts? Wie soll das Produkt vertrieben werden? Wie will das Unternehmen auf sein Produkt oder seine Dienstleistung aufmerksam machen? Welche Art von Werbung soll genutzt werden?
Eine weitere Komponente des Plans ist die Beschreibung der *Unternehmensleitung* und *Organisation*. Der Leser des Businessplans soll im Idealfall dem Gründer Geld anvertrauen. Deshalb hat er ein natürliches Interesse daran zu wissen, wer sein Geschäftspartner ist. Das Know-how des Führungsteams ist wichtig, um eine Geschäftsidee umsetzen zu können. Was zählt ist die fachliche Qualifikation, die Branchenerfahrung, aber auch kaufmännische Kenntnisse. Zu den Anlagen eines Geschäftsplanes gehören deshalb auch die tabellarischen Lebensläufe der Gründer. Auch die Firmenorganisation sollte mit einer klaren Verteilung der Aufgabengebiete dargestellt werden.
Was sich jetzt in der Regel anschließt ist die *Finanzplanung*. Sie enthält ein umfangreiches Zahlenwerk: die Investitionsplanung, die Personalplanung, den Kapitalbedarf aber auch die Rentabilitätsvorschau. Experten wissen: ohne betriebswirtschaftliches Know-how steht man spätestens hier im Regen.

Das liebe Geld

Hochfliegende Pläne, geniale Geschäftsideen ... Doch ohne die passende Finanzierung und den richtigen Geldgeber wird aus dem Traum vom eigenen Unternehmen keine Realität. Denn den meisten Gründern fehlt es an Startkapital - das gilt insbesondere für Studierende oder frisch gebackene Hochschulabsolventen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich das Kapital zu besorgen: z.B. mit Hilfe öffentlicher Förderprogramme, durch Darlehen einer Hausbank oder Geld von so genannten Venture Capitalists - also Wagniskapitalgebern.
Wer sich um öffentliches Fördergeld bemühen will, für den lohnt sich eine Kontaktaufnahme mit der Gründerbank des Bundes - der Deutschen Ausgleichsbank (DtA). Die Bank bietet eine Reihe von verschiedenen Förderprogrammen an, die auf die jeweiligen Bedürfnisse der Geförderten eingehen. Die öffentlichen Fördermittel sind - um alle Missverständnisse auszuräumen - keine Geldgeschenke, sondern Darlehen, die neben einem günstigen Zinssatz weitere Vorteile gegenüber Krediten von Hausbanken haben. So ist eine bestimmte Anzahl von Jahren zins- und tilgungsfrei. Die Darlehen können z. T. ohne Sicherheiten werden. Ein weiterer Vorteil ist: Die DtA mischt sich nicht in die unternehmerische Freiheit des Existenzgründers ein.
Doch die Finanzierung mit öffentlichen Mitteln ist nur möglich, wenn die Hausbank des Gründers das Unternehmen mitfinanziere, berichtet Holger Schwabe von der DtA. Ohne Hausbank fließt also auch kein Geld von der DtA. Die Hausbank bestimme, so Schwabe, in welchem Umfang sie Fördermittel der DtA in die Finanzierung einbinden wolle. Schwabe rät deshalb, bei mehreren Kreditinstituten vorstellig zu werden, um die optimale Einbindung von Fördermitteln zu erhalten.
Mit den Förderprogrammen der DtA lassen sich in der Regel maximal 75 Prozent der geplanten Investitionen und 100 Prozent der Betriebsmittel abdecken, bei einer Finanzierung mit dem DtA-StartGeld sogar 100 Prozent. "Unter Investitionen versteht man z.B. Fahrzeuge, Maschinen oder Büroausstattung", verdeutlicht Schwabe. Zu den Betriebsmitteln dagegen zähle man alle wiederkehrenden Kosten wie Stromrechnung, Benzin und Lohnkosten. Auch Geld, das die Liquidität des Unternehmens sicherstelle, gehöre dazu. Zwischen der Herstellung eines Produktes und seiner Bezahlung entsteht in der Regel eine Lücke, in der das Unternehmen Ausgaben tätigen muss, aber noch keinen Gewinn einstreichen kann. Diese Liquiditätslücke muss durch Betriebsmittel aufgefangen werden.
Ohne Hausbank geht es nicht. Die Landesbank Berlin (LBB), zu der auch die Berliner Sparkasse gehört, wird von vielen Existenzgründern als solche in Anspruch genommen. Heiko Meier, Leiter des LBB-Kompetenzzentrums Gründungen sieht die Aufgabe der Hausbank in der Koordination der verschiedenen Förderprogramme. Zu den Aufgaben der Hausbank gehöre auch eine fundierte Finanzierungsberatung vor der Gründung, die Finanzierung selbst und die intensive Betreuung der Jungunternehmer nach Betriebsstart. "Letzteres ist uns besonders wichtig, weil etwa jeder zweite Gründer sein Gewerbe innerhalb der ersten fünf Jahre nach Gründung wieder abmeldet", berichtete Meier.
Bevor die LBB Geld locker macht und die DtA mit ins Boot holt, prüft sie erst einmal genau, wie Erfolg versprechend das Gründungskonzept ist. Was Meier und seine Kollegen besonders interessiert ist der Geschäftsplan des potentiellen Gründers. Dabei müssen der veranschlagte Kapitalbedarf, die Rentabilitätsvorschau und die Liquiditätsplanung besonders überzeugen.
Auch auf die Berufserfahrung und die Qualifikation des Gründerteams kommt es an. Für ein Unternehmen wichtige Qualifikationen sollten sich in der Zusammensetzung des Teams wieder finden. Die Banken schauen auch, inwieweit die Kompetenz, die im Businessplan suggeriert wird, mit der Kompetenz des Gründers übereinstimmt. "Der Gründer sollte sich nie vollständig auf dritte verlassen", meint Meier. Auch wer seinen Berater zum Gespräch mitbringen, müsse selbst Rede und Antwort stehen können. Wenn aber nur der Berater rede, würde man diesen mal für eine halbe Stunde rausschicken, um zu hören, was der Gründer selbst zu sagen habe.
Doch nicht nur die Qualifikation zählt. Meier: "Der Gründungswillige sollte sich, bevor er zu uns kommt, in Ruhe hinsetzen und sich fragen: Bin ich eine Gründerpersönlichkeit?" Wichtig sei die Ehrlichkeit zu sich selbst, betont er.
Eine Alternative zu der Finanzierung über Kredite ist die über Wagniskapital. Dieses Geld wird von so genannten Venture-Capital-Gesellschaften vergeben. Die Finanzierung läuft nicht über Kredite oder Darlehen sondern über Beteiligungen an den in Gründung befindlichen Unternehmen. Nur ein kleiner Teil aller Existenzgründer kommt für eine solche Finanzierungsform überhaupt in Frage. Besonders gute Chancen haben zum Beispiel Firmen im IT- oder Biotechnologie-Bereich. Für den Unternehmensgründer, der einen kleinen Dienstleistungsbetrieb um die Ecke eröffnen will, ist eine VC-Gesellschaft der falsche Ansprechpartner. Außerdem darf der Finanzbedarf nicht zu klein sein, er sollte mindestens 500.000 Mark betragen.
Nicole Meißner von PEPPERMINT.Financial Partners, einer Wagniskapital(VC)-Gesellschaft, erklärt das Finanzierungsprinzip so: "Das Wagniskapital wird zum Eigenkapital des Existenzgründers." Dafür trete der Gründer Anteile seiner Firma an die VC-Gesellschaft ab. Meist seien das Minderheitsbeteiligung von rund 25 Prozent. "Wenn das Unternehmen scheitert, verliert auch die VC-Gesellschaft das eingesetzte Geld", berichtet Meißner. Im Gegensatz zu einer kreditfinanzierten Existenzgründung bedürfe es keine Sicherheiten des Gründers. Nach einer längeren Zeit, z.B. fünf bis sieben Jahren, verkauft die VC-Gesellschaft dann ihre Anteile zu einem möglichst hohem Preis. Möglichkeiten dafür sind der Verkauf der Anteile an ein anderes Unternehmen - in der Wirtschaft wird dieser Vorgang Trade Sale genannt - oder der Gang an die Börse.
Damit sich dieses Risiko für VC-Gesellschaften Risiko lohnt, erwarten sie vom Unternehmen überdurchschnittliche Gewinne und hervorragende Wachstumsaussichten. Sie legen daher auch strengere Kriterien an den Businessplan an. Meißner rät den Interessenten, sich genau vorher zu informieren, bei welcher VC-Gesellschaft man vorstellig werden möchte. Denn die einzelne Venture Capitalists fördern nur Unternehmen mit einem ganz bestimmten Profil. So kann sich der Gründungswillige schon im Vorfeld manche Bewerbung samt der Absage sparen.

Der Finanzplan
Ohne Geld geht gar nichts. Und ohne Zahlenwerk im Businessplan gibt´s kein Geld. So einfach sich das anhört, so komplex ist die Erstellung eines Finanzplans. Nicht umsonst raten Experten angehenden Existenzgründern, Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer in die Erstellung dieses Zahlenwerkes einzubeziehen. Dies gilt besonders dann, wenn die künftigen Unternehmer wenig Erfahrung auf diesem Gebiet haben. Verschiedene Einzelplanungen gehören zu einem vollständigen Zahlenwerk: Die Kapitalbedarfsplanung, die Umsatz- und Rentabilitätsvorschau sowie die Liquiditätsplanung.
Um den Kapitalbedarfsplanung erstellen zu können, muss der Gründungswillige den Betrag ermitteln, der ihn die die Lage versetzt, sein Unternehmen zu starten und die erste Aufbauphase finanziell zu überstehen. Grundstücke, Betriebs- und Geschäftsausstattung und Fahrzeuge müssen ebenso in das Rechenwerk Eingang finden wie Maschinen, EDV-Anlagen sowie die Materialausstattung. Nicht zuletzt gehören in diese Aufstellung die Gründungskosten wie anfallende Gebühren für Rechtsanwälte oder die Handelsregistereintragung.
Da sich der Jungunternehmer in der Gründungsphase finanziell über Wasser halten muss, sind für sechs Monate auch die Kosten der privaten Haushalts- und Lebensführung in der Gesamtsumme zu berücksichtigen.
Ein anderer Teil des Zahlenwerkes ist die Rentabilitätsvorschau. Dieses Instrument hilft dem Unternehmensgründer zu eruieren, ob am Ende des Geschäftsjahres Gewinn übrigbleibt oder nicht. Die Rechnung ist einfach: alle Kosten werden den Umsätzen gegenübergestellt und daraus ergibt sich der Jahresüberschuss (Gewinn) oder der Jahresfehlbetrag (Verlust).
Die Liquiditätsplanung dagegen hilft dem Gründer, einen Überblick über sämtliche Zahlungsein- und -ausgänge zu behalten. Auch dieses Prinzip ist einfach: die Höhe und der Zeitpunkt aller Ein- und Auszahlungen werden erfasst. Da ein Unternehmen nur dann liquide bleibt, wenn mehr eingenommen wird als ausgezahlt werden muss, ergibt sich für Zeiträume, in denen dieses nicht zutrifft, ein zusätzlicher Bedarf an Geldmitteln. In die Liquiditätsplanung sollte der Existenzgründer auch eine Sicherheitsreserve einbeziehen, falls z.B. Kunden ihre Rechnungen nicht pünktlich begleichen.
Natürlich kann der Existenzgründer dieses Rechenwerk nur mit Planzahlen erstellen. Dennoch helfen ihm diese Planungen: Anhand der Zahlen kann er erkennen, ob das Vorhaben wirtschaftlich rentabel sein wird. Das Zahlenwerk ist auch das erste Controlling-Instrument des Jungunternehmens. Durch einen Vergleich der Ist- mit den Soll-Zahlen kann er Abweichungen feststellen und auf diese reagieren.

Checkliste
Eine wichtige Hürde bei der Finanzierung des eigenen Unternehmens ist das Gespräch mit der Bank. Schon beim ersten Treffen entscheidet sich oft, ob der Mitarbeiter Deiner Hausbank Deine Geschäftsidee unterstützt und Dir damit den Weg zum Geld ebnet. Deshalb ist es sinnvoll, dieses Gespräch gut vorzubereiten.
- Vereinbare rechtzeitig ein Gesprächstermin mit dem zuständigen Mitarbeiter Deiner Hausbank - das kann ein Firmenkundenbetreuer oder ein Spezialist für Existenzgründungen sein. Bei dieser Gelegenheit sollte man auf jeden Fall fragen, welche Unterlagen man zum Gespräch mitbringen soll.
- Du solltest diese Begegnung mit einem Bankvertreter gründlich vorbereiten. Spiele zum Beispiel schon mal durch, welche Fragen Dir gestellt werden könnten. "Warum wollen Sie sich selbständig machen?" "Was zeichnet Ihr Produkt im Vergleich zu den Konkurrenzprodukten aus?"
- Beim Gespräch solltest Du einen gut ausgearbeiteten Businessplan vorlegen, aus dem klar hervorgeht, wie viel Geld Du für die Unternehmensgründung benötigst. Einige Experten raten davon ab, die gesamte Erstellung des Businessplans in fremde Hände zu geben. Denn es macht einen schlechten Eindruck, wenn der Geschäftsplan zwar perfekt ist, aber der potentielle Unternehmer seinen eigenen Plan nicht kennt. Du solltest Deinen Plan sehr gut kennen und auf Nachfragen sicher und kompetent antworten können.
- Auch das Auftreten entscheidet über den Erfolg des Gesprächs: Trete deshalb selbstsicher auf. Lass Deine hundertprozentige Motivation erkennen. Zeige, dass Dir viel an einer guten Zusammenarbeit mit der Bank liegt.
- Schon bevor Du in das Gespräch mit den Menschen von der Bank eintrittst, solltest Du Dir Gedanken darüber machen, was Du als Sicherheit anbieten kannst. In der Regel gilt, dass der Gründer 15 Prozent Eigenkapital mitbringt.
- Es kann sein, dass nicht die erstbeste Bank, der Du Deine Businessplan vorlegst, Dein Vorhaben auch finanziert. Aus diesem Grund sollte man gleich bei mehreren Banken einen Termin vereinbaren.
- Falls Du mit Deiner Geschäftsidee bei einem Kreditinstitut nicht landen kannst, solltest Du auf jeden Fall nach den Gründen fragen. Leuchten Dir die Begründungen ein, kannst Du trotz der Ablehnung noch "Kapital" aus dem Misserfolg schlagen. Die so gewonnenen Informationen kannst Du in Deinen Businessplan einarbeiten.

Adressen / Internetangebote

Verschiedene Institutionen und Hochschulen bieten speziell für Studierende und wissenschaftliche Mitarbeiter Beratung und Unterstützung bei der Unternehmensgründung an. Einige wichtige Ansprechpartner sind zum Beispiel:
Exist - Existenzgründung aus Hochschulen, Bundesministerium für Bildung und Forschung, Referat 313, 53170 Bonn.
www.exist.de
Bizeps - Bergische Universität - Gesamthochschule Wuppertal, Transferstelle, Gaußstr. 20, 42097 Wuppertal, Tel: 0202/439-28 57.
www.bizeps.de
Dresden exists - Technische Universität Dresden, Schumannbau B239, Münchner Platz 3, 01069 Dresden, 0351/463-5638.
www.dresden-exists.de
GET-UP - Gesellschaft zur Förderung neuer Technologie Thüringen e.V., Langewiesener Str. 22, 98693 Ilmenau, 03677/ 87 71 15.
www.getup-initiative.de
Keim - Informations- und Projektbüro, Haid-und-Neu-Str. 7, 76131 Karlsruhe, Tel 0721/86 58- 264.
www.keim-online.de Anlaufstelle der Universitäten Karlsruhe und Pforzheim.
Regionale Agentur für Existenzgründungen, Industriestr.2, 70565 Stuttgart, Tel: 0711/784-6816.
www.push-stuttgart.de
ExistenzGründer-Institut Berlin e.V., Postfach 31 15 20, 10645 Berlin, Tel: 030/21 25 28 00.
www.existenzgruender-institut.de.

Weitere Internetadressen rund um das Thema Existenzgründung:
-
www.entrepreneurship.de - Eine Plattform mit dem Überblick über das deutsche Gründungsnetzwerk.
-
www.dta-gruenderzentrum.de oder www.dta.de - Deutsche Ausgleichsbank.
-
www.gruenderstadt.de - Suchmaschine und Informationsplattform für Existenzgründer.
-
www.gruenderlinx.de - Linksammlung und Tipps für Gründer.
-
www.change-online.de - Existenzgründungsbörse der Industrie- und Handelskammer.
-
www.existenzgruender-netzwerk.de Existenzgründer helfen sich gegenseitig beim Aufbau ihrer Unternehmen.


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