Wir basteln uns einen Chefsessel!
Erfolgreich eine
Existenz gründen!
von Anja Schreiber
Am Anfang war
das Konzept
Gründerboom, Venture
Capital, Business Angels. Kaum mehr wegzudenkende Begriffe, die
sich um die Gründung von Unternehmen ranken. Längst
haben Politik und Wirtschaft begriffen, dass an den Universitäten
und Hochschulen ein großes Potential an Know-how und Kreativität
zu Hause ist - prädestiniert für Unternehmensgründungen.
Immer mehr Institutionen an und rund um Hochschulen helfen Studierenden
bei der Gründung eigener Firmen. Und nicht zuletzt deshalb
taucht bei dem einen oder anderen Studi die Frage auf: Soll ich
mich selbständig machen? Ich habe doch so eine tolle Idee.
Doch wie geht es dann weiter? "Zu erst einmal sollte der
Student seine tolle Idee auf´s Papier bringen", rät
Prof. Karl Neunast, Gründungsbeauftragter an der Fachhochschule
Bonn-Rhein-Sieg. In diesen Text müsse auf jeden Fall stehen,
was die eigene Idee vor der Konkurrenz auszeichne. Diese Meinung
teilen viele Berater von Start-up-Unternehmen. Andreas Bißendorf,
Teamleiter des Businessplan-Wettbewerbs Berlin-Brandenburg, bringt
das so auf den Punkt: "Die Idee reicht nicht aus, um erfolgreich
zu sein." Zur Unternehmensgründung gehöre nicht
nur ein hervorragendes Produkt, sondern eine klare Vorstellung,
wie Produktion, Marketing und Vertrieb im eigenen Betrieb ablaufen
sollen.
Eines sollte bei der Planung immer im Mittelpunkt stehen: der
Kundennutzen. Bißendorf rät, auf den potentiellen Kunden
zuzugehen und ihn z.B. auf der Straße zu fragen, ob er ein
bestimmtes Produkt oder eine bestimmte Dienstleistung brauche
und wie viel Geld er bereit wäre, dafür zu zahlen. Oft
würden Forscher an den Hochschulen von ihren Entwicklungen
denken, sie seien noch nicht fertig. "Aber der Kunde braucht
nur ein Produkt, das 100-prozentig sein Problem löst",
so Bißendorf.
Doch nicht nur die Unternehmensidee muss stimmen, auch die Frage
nach der Qualifikation des ambitionierten Gründers ist wichtig.
"Zunächst muss man sich fragen, ob es überhaupt
eine gute Idee ist, direkt nach dem Studium oder gar statt eines
Studienabschlusses ein Unternehmen zu gründen, also ohne
dass man Berufserfahrung hat", meint Prof. Christian Schade
vom Institut für Entrepreneurship der Humboldt-Universität
zu Berlin. Wenn man dies vorhabe, sollte man auf jeden Fall erfahrene
Gründungsmitglieder suchen.
Sven Ripsas, Geschäftsführer des ExistenzGründer-Institutes
weiß, dass der Gründer sich auf die Frage konzentrieren
müsse: Wie will ich Geld verdienen? Und dazu gehöre
auch betriebswirtschaftliches Know-How. "Wer eine Crash-Kurs
in BWL gemacht hat, darf nicht glauben, alles verstanden zu haben
und gegen alles gewappnet zu sein", warnt Ripsas. Schade
ergänzt: "Möglicherweise schafft das eine ´Scheinsicherheit´,
die zu dem hohen Prozentsatz von Insolvenzen bei Unternehmensgründungen
beiträgt."
Eine Möglichkeit, sich bei der Unternehmensgründung
begleiten zu lassen, sind die so genannten Businessplan-Wettbewerbe.
Im Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg treten die besten
Geschäftskonzepte gegeneinander an. Sie werden von einer
Jury bewertet und die besten werden prämiert. Die Teilnehmer
können sich mit Hilfe von Seminaren und Workshops auf die
Erstellung des Businessplans vorbereiten und sich z. B. über
Themen wie Finanzierung oder Werbung informieren. Außerdem
stehen Experten als Berater zur Verfügung. Über den
Wettbewerb könnten - so Bißendorf - vielfältige
Kontakte geknüpft werden, z.B. auch zu Bankern.
Ein anderer Weg um sich auf eine Unternehmensgründung vorzubereiten
geht über die eigene Hochschule. So können Studierende
der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg Lehrveranstaltungen zum Thema
Unternehmensgründung besuchen. In diesen Seminaren werden
unternehmerische Fragestellungen erörtert und Ideen spielerisch
umgesetzt, so Neunast. Studierende, die das gleiche Ziel haben,
lernen sich so kennen. Auch hier kommen die potentiellen Gründer
mit Experten aus der Wirtschaft zusammen. Gerade den Kontakt mit
anderen gründungswilligen Studierenden halten Experten für
besonders wichtig. Denn so könnte man Mitgründer für
das eigene Unternehmen finden. Die gemeinsame Gründung eines
Betriebes, so Ripsas, setzt allerdings viel Vertrauen voraus und
ist durchaus mit einer Ehe vergleichbar. Allerdings muss nicht
nur die persönlich Ebene stimmen, man braucht - so die Einschätzung
der Experten - unter den Gründern Leute mit fundiertem BWL-Wissen,
aber auch mit Industrie-Erfahrung.
Auf diese Fakten achten auch die Geldgeber - egal ob der Gründer
sich sein Kapital als Darlehen bei einer Bank leiht oder sich
um Venture Capital bemüht. Wer auf der Suche nach der Finanzierung
seiner Geschäftsidee ist, der kommt nicht umhin, einen Businessplan
zu erstellen. Dieses Werk aus Ideenbeschreibung, Marktanalyse
und Rentabilitätsrechnung ist Entscheidungsgrundlage für
die Geldgeber.
Tipps rund um die Existenzgründung
Die Idee ist zündend,
die Motivation enorm - allein es fehlt die Umsetzung. Damit aus
der Idee auch ein florierendes Business wird, solltest Du ein
paar grundlegende Dinge beachten.
- Wer eine Geschäftsidee hat, sollte diese erst einmal aufs
Papier bringen und seine konkreten Ziele, sein Produkt oder seine
Dienstleistung so detailliert wie möglich beschreiben. Auf
zwei Fragen muss der Gründungswillige auf jeden Fall eine
Antwort wissen: Wie will ich Geld verdienen? Was unterscheidet
mich von meiner Konkurrenz? Dieser erste Text kann Ausgangspunkt
für einen Businessplan sein.
- Neben der Idee gehört zur Unternehmensgründung aber
noch vieles mehr. So muss sich der angehende Unternehmer über
seine Qualifikation, aber auch über seine Schwächen
klar werden. Wie viel Berufs- oder Industrieerfahrung habe ich?
Über welches betriebswirtschaftliche Know-How verfüge
ich? Wie kann ich meine Schwächen z.B. durch Trainingsprogramme
minimieren?
- Doch nicht nur die fachliche Qualifikation sollte bedacht werden,
auch die persönlichen Verhältnisse des Gründers
spielen eine wichtige Rolle. Bin ich bereit, das entstehende Risiko
einer Gründung mit den damit verbundenen finanziellen Unwägbarkeiten
zu tragen? Wie ist meine gesundheitliche Konstitution? Lässt
sich mein Unternehmertum mit meiner familiären Situation
vereinbaren? Wie steht mein Lebenspartner zu diesen Plänen?
- Informationsdefizite sind die zweithäufigste Ursache für
Insolvenzen. Deshalb ist es in jedem Fall sinnvoll, qualifizierte
Beratung in Anspruch zu nehmen. Ganz unterschiedliche Institutionen
bieten solche Serviceleistungen an. Zum einen sind die Technologie-Transferstellen
der einzelnen Unis ein wichtiger Ansprechpartner. Einzelne Unis
haben Netzwerke für Unternehmensgründungen gestartet.
Auch die regionalen Businessplan-Wettbewerbe und die Lehrstühle
für Entrepreneurship sind wertvolle Informationsquellen.
Neben diesen spezifisch auf die Hochschule abgestimmten Angeboten
bieten Kammern wie die IHK, aber auch Banken wie die Deutsche
Ausgleichsbank ebenfalls Beratung an.
Der Businessplan
Von der Geschäftsidee
zum erfolgreichen Unternehmen. Ein wichtiger Schritt in diese
Richtung ist die Erstellung eines Businessplans. Aus einer groben
Idee wird so ein detailliertes Geschäftskonzept. Der Businessplan
oder Geschäftsplan trat seinen Siegeszug in den USA an. Dieses
unternehmerische Konzeptpapier diente dort den Gründern bei
der Aquise von privaten Investoren oder Venture Capitalists, sog.
"Wagniskapitalgebern". Heute ist er aus Deutschlands
Gründerszene nicht mehr wegzudenken.
"Der Businessplan hat als Zielstellung, die Geschäftsidee
und Strategie eines Unternehmens vollumfänglich darzustellen",
berichtet Katharina Wojcicki, Jurorin beim Businessplan-Wettbewerb
Berlin-Brandenburg und Geschäftsführerin der Unternehmensberatung
Innovations & Venture-Partners. Der Plan ist also viel mehr
als nur die knappe Skizzierung einer Geschäftsidee, denn
neben dieser beleuchtet er auch das wirtschaftliche Umfeld. Ein
Existenzgründer wird bei der Erstellung solch eines Schriftstückes
gezwungen, sich systematisch mit seiner Geschäftsidee auseinander
zu setzen. Egal, ob es sich um die Beschreibung der Unternehmensform,
des Marketingkonzeptes oder der Finanzierung handelt: der Jungunternehmer
ist aufgefordert, seine Geschäftsidee zu präzisieren.
Der große Vorteil liegt auf der Hand: Je detaillierter sich
angehende Gründer mit ihrem Konzept auseinander setzen, desto
eher können Probleme und Fallstricke erkannt werden.
Doch die eigentlichen Adressaten sind potentielle Geldgeber. Gerade
deshalb muss und soll ein Businessplan durch Klarheit und Verständlichkeit
überzeugen. Studierende müssen also erstmal umschalten.
Denn auch wenn während des Studiums in Hausarbeiten großer
Wert auf Klarheit und Sachlichkeit gelegt wird: normalerweise
schreibt ein Studi als Spezialist für Spezialisten. Aber
gerade das ist beim Geschäftsplan anders. Das Schriftstück
muss so formuliert sein, dass auch ein Laie die Geschäftsidee
versteht. "Keep it easy and simply", bringt es Christof
Sagasser, Juror beim Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg
und Investment-Manager bei der VEAG Beteiligungsgesellschaft auf
den Punkt. Bei aller Begeisterung für die eigene Idee sollte
der Ton im Geschäftsplan sachlich bleiben.
Wer gemeinsam mit Kommilitonen ein Unternehmen gründen will,
wird vielleicht die Arbeit am Plan auf mehrere Schultern verteilen
wollen. Doch Experten empfehlen: Der Text sollte inhaltlich und
optisch eine einheitliche Linie verfolgen. Es ist sinnvoll, den
Businessplan leserfreundlich in einheitlicher Formatierung zu
gestalten.
Wer die letzten Sätze seinen Geschäftsplanes in den
Computer getippt und alle Punkte wie Produkt, Markt und Marketing
beschrieben hat, kann sich noch nicht wirklich zurücklehnen.
Denn bei einem Businessplan ist die Überarbeitung nicht weniger
wichtig als seine Abfassung. Sagasser vergleicht die Entwicklung
eines Geschäftsplanes auch mit der Arbeit eines Architekten.
Auch dieser nehme beim Fortschreiten des Baus immer noch Überarbeitungen
an seinen Plänen vor. "Der Businessplan lebt",
so Sagasser.
Der Gründer sollte seinen Plan auch vorher testen. Der mögliche
Geldgeber darf also nicht der Erste sein, der den Businessplan
liest. Weit sinnvoller ist es, dass vorher andere Leute sich den
Text zu Gemüte geführt haben - egal, ob es Kommilitonen
oder die eigenen Großeltern sind. Denn diese Außenstehenden
können den Gründer auf Schwachstellen seines Konzepts
hinweisen. Der Jungunternehmer Knut Scholz (33) hat es so gemacht.
Zuerst reichte er sein Papier beim Businessplanwettbewerb ein.
Als es dort mit seinem Konzept nichts wurde, machte er dennoch
unverdrossen weiter. Er präsentierte sein Konzept verschiedenen
Wagniskapitalgebern, lernte aus seinen Fehlern und fand dann die
Gesellschaft, mit der "er von Anfang an zusammenarbeiten
wollte". Das passende Kapital für seine Internetplattform
allmaxx, auf der Studis preiswert einkaufen können, war ihm
damit sicher.
Businessplan konkret
Was steht eigentlich
drin im Businessplan? Ein Businessplan beginnt in der Regel mit
der *Zusammenfassung*. Das hört sich zwar paradox an, ist
aber doch schlüssig. Denn bevor der Leser sich in die Einzelheiten
vertieft, hat er in der Zusammenfassung die Möglichkeit,
sich grundsätzlich über das Unternehmen zu informieren.
Deshalb müssen in diesem Text schon alle wichtigen Fakten
über das Produkt, die Dienstleistung und das Marktpotential
enthalten sein. Aber auch die Beschreibung des Managementteams
und möglicher Risiken sowie die Eckdaten der Finanzplanung
dürfen nicht fehlen. Wojcicki: "Oft entscheidet man
aufgrund dieser Zusammenfassung, ob Geschäftsidee und Marktaussichten
viel versprechend sind."
Ein wichtiger Tipp: Es macht Sinn, die Zusammenfassung als Letztes
zu schreiben, wenn also alle anderen Bestandteile des Businessplans
stehen. Er sollte besonders sorgfältig verfasst werden. In
der Regel wird hier von einem Seitenumfang von etwa drei Seiten
ausgegangenen.
Neben der Produkt- oder Dienstleistungsbeschreibung gehören
zum Businessplan Abschnitte über den Markt und das Umsatzpotential
sowie das Vertriebs- und Marketingkonzept. Die wichtigsten Fakten
über das Managementteam gehören ebenso in den Text wie
das Zahlenwerk des Finanzplans, der sich aus der Kalkulation des
Kapitalbedarfs, der Personal- und Investitionsplanung sowie der
Rentabilitätsvorschau zusammensetzt.
Besonderen Wert legt die Jurorin Katharina Wojcicki auf die Vollständigkeit
des Businessplans. Einer der wichtigsten Teile des Businessplans
ist neben der Geschäftsidee die Marktanalyse. Sie sei der
schwierigste Teil. Aber auch auf die Erfahrung und Zusammensetzung
des Managementteams komme es an.
"Einen professionellen Businessplan erkennt man an klarer
Struktur, einer durchgängigen Story-Line und umfänglichen
Marktanalysen", betont Wojcicki. Dazu gehörten auch
fundierte Rechercheergebnisse, ein sauberer Finanzplan und die
realistische Einschätzung von Risiken und Chancen. Insgesamt
sollte der Plan nicht mehr als 30 bis 40 Seiten umfassen.
Wer sich unter verschiedenen Plänen die beste Vorlage für
sein eigenen Text suchen will, sollte in einer Suchmaschine den
Begriff "Businessplan" eingeben. Die verschiedensten
Institutionen haben ihre favorisierte Form ins Netz gestellt.
Eine wichtige Komponente, die in jeden Geschäftsplan gehört,
ist die Beschreibung des Unternehmens. Dazu gehören zum Beispiel
Angaben über die *Rechtsform des Unternehmens* - ist es eine
Gesellschaft mit beschränkter Haftung oder eine Gesellschaft
bürgerlichen Rechts? Bei der Wahl der Rechtsform sollte der
Jungunternehmer frühzeitig einen Fachmann, z.B. einen Steuerberater
zu Rate ziehen.
Zentral für die Darstellung ist natürlich die Beschreibung
des *Produktes* oder der *Dienstleistung*. In Mittelpunkt aller
dieser Ausführungen sollte unbedingt der Kundennutzen stehen.
Welchen Vorteil hat der Kunde? Auch weitere Fragen müssen
erörtert werden: Wie ist der Entwicklungstand des Produktes
oder der Dienstleistung? Muss das Produkt erst von behördlicher
Seite zugelassen werden? Wenn es um die Herstellung eines Produktes
geht, müssen auch der Fertigungsprozess, die Produktionsmittel
und die Herstellungskosten beschrieben werden.
Um als Jungunternehmer erfolgreich zu sein und ein Produkt oder
eine Dienstleistung am *Markt* zu platzieren, muss man diesen
analysieren. Und diese Analyse ist einer der wichtigsten Teile
im Businessplan. Dazu gehören z.B. Informationen über
die Branche: Wie groß ist der Gesamtumsatz der Branche?
Wächst die Branche? Welche Trends zeichnen sich ab? Wie entwickeln
sich Preise, Kosten und Renditen? Öffentliche Informationsquellen
sind z.B. statistische Ämter, Handwerks- sowie Industrie-
und Handelskammern. Auch Banken können mit Informationen
weiterhelfen.
Neben der Branche im Allgemeinen müssen z.B. auch die Mitbewerber
unter die Lupe genommen werden. Wieder gibt es eine Reihe von
Fragen, die der Geschäftsplan beantworteten sollte. Wer bietet
vergleichbare Produkte an? Welche Preise und Kosten haben die
Mitbewerber? Arbeiten sie profitabel? Auch das Kaufverhalten und
der Kundennutzen sollte in eine Marktanalyse Eingang finden. Wie
der Gründer zu all diesen Informationen kommt, bleibt ihm
selbst überlassen. Viele Experten betonen, dass der Fantasie
hier keine Grenzen gesetzt seien. Auch mit unkonventionellen Mitteln
könne man zum Ziel kommen, z.B. durch Straßenumfragen.
Wer den Markt analysiert hat, sollte nun beschreiben, wie er das
Marktpotential ausschöpfen will. Auch hier muss der Gründer
auf einige wichtige Fragen ein schlüssige Antwort rund um
das Thema *Marketing* und *Vertrieb* wissen. Wie sieht die Markteinführungsstrategie
aus? In welchen Schritten gliedert sich die Einführung des
Produkts? Wie soll das Produkt vertrieben werden? Wie will das
Unternehmen auf sein Produkt oder seine Dienstleistung aufmerksam
machen? Welche Art von Werbung soll genutzt werden?
Eine weitere Komponente des Plans ist die Beschreibung der *Unternehmensleitung*
und *Organisation*. Der Leser des Businessplans soll im Idealfall
dem Gründer Geld anvertrauen. Deshalb hat er ein natürliches
Interesse daran zu wissen, wer sein Geschäftspartner ist.
Das Know-how des Führungsteams ist wichtig, um eine Geschäftsidee
umsetzen zu können. Was zählt ist die fachliche Qualifikation,
die Branchenerfahrung, aber auch kaufmännische Kenntnisse.
Zu den Anlagen eines Geschäftsplanes gehören deshalb
auch die tabellarischen Lebensläufe der Gründer. Auch
die Firmenorganisation sollte mit einer klaren Verteilung der
Aufgabengebiete dargestellt werden.
Was sich jetzt in der Regel anschließt ist die *Finanzplanung*.
Sie enthält ein umfangreiches Zahlenwerk: die Investitionsplanung,
die Personalplanung, den Kapitalbedarf aber auch die Rentabilitätsvorschau.
Experten wissen: ohne betriebswirtschaftliches Know-how steht
man spätestens hier im Regen.
Das liebe Geld
Hochfliegende Pläne,
geniale Geschäftsideen ... Doch ohne die passende Finanzierung
und den richtigen Geldgeber wird aus dem Traum vom eigenen Unternehmen
keine Realität. Denn den meisten Gründern fehlt es an
Startkapital - das gilt insbesondere für Studierende oder
frisch gebackene Hochschulabsolventen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten,
sich das Kapital zu besorgen: z.B. mit Hilfe öffentlicher
Förderprogramme, durch Darlehen einer Hausbank oder Geld
von so genannten Venture Capitalists - also Wagniskapitalgebern.
Wer sich um öffentliches Fördergeld bemühen will,
für den lohnt sich eine Kontaktaufnahme mit der Gründerbank
des Bundes - der Deutschen Ausgleichsbank (DtA). Die Bank bietet
eine Reihe von verschiedenen Förderprogrammen an, die auf
die jeweiligen Bedürfnisse der Geförderten eingehen.
Die öffentlichen Fördermittel sind - um alle Missverständnisse
auszuräumen - keine Geldgeschenke, sondern Darlehen, die
neben einem günstigen Zinssatz weitere Vorteile gegenüber
Krediten von Hausbanken haben. So ist eine bestimmte Anzahl von
Jahren zins- und tilgungsfrei. Die Darlehen können z. T.
ohne Sicherheiten werden. Ein weiterer Vorteil ist: Die DtA mischt
sich nicht in die unternehmerische Freiheit des Existenzgründers
ein.
Doch die Finanzierung mit öffentlichen Mitteln ist nur möglich,
wenn die Hausbank des Gründers das Unternehmen mitfinanziere,
berichtet Holger Schwabe von der DtA. Ohne Hausbank fließt
also auch kein Geld von der DtA. Die Hausbank bestimme, so Schwabe,
in welchem Umfang sie Fördermittel der DtA in die Finanzierung
einbinden wolle. Schwabe rät deshalb, bei mehreren Kreditinstituten
vorstellig zu werden, um die optimale Einbindung von Fördermitteln
zu erhalten.
Mit den Förderprogrammen der DtA lassen sich in der Regel
maximal 75 Prozent der geplanten Investitionen und 100 Prozent
der Betriebsmittel abdecken, bei einer Finanzierung mit dem DtA-StartGeld
sogar 100 Prozent. "Unter Investitionen versteht man z.B.
Fahrzeuge, Maschinen oder Büroausstattung", verdeutlicht
Schwabe. Zu den Betriebsmitteln dagegen zähle man alle wiederkehrenden
Kosten wie Stromrechnung, Benzin und Lohnkosten. Auch Geld, das
die Liquidität des Unternehmens sicherstelle, gehöre
dazu. Zwischen der Herstellung eines Produktes und seiner Bezahlung
entsteht in der Regel eine Lücke, in der das Unternehmen
Ausgaben tätigen muss, aber noch keinen Gewinn einstreichen
kann. Diese Liquiditätslücke muss durch Betriebsmittel
aufgefangen werden.
Ohne Hausbank geht es nicht. Die Landesbank Berlin (LBB), zu der
auch die Berliner Sparkasse gehört, wird von vielen Existenzgründern
als solche in Anspruch genommen. Heiko Meier, Leiter des LBB-Kompetenzzentrums
Gründungen sieht die Aufgabe der Hausbank in der Koordination
der verschiedenen Förderprogramme. Zu den Aufgaben der Hausbank
gehöre auch eine fundierte Finanzierungsberatung vor der
Gründung, die Finanzierung selbst und die intensive Betreuung
der Jungunternehmer nach Betriebsstart. "Letzteres ist uns
besonders wichtig, weil etwa jeder zweite Gründer sein Gewerbe
innerhalb der ersten fünf Jahre nach Gründung wieder
abmeldet", berichtete Meier.
Bevor die LBB Geld locker macht und die DtA mit ins Boot holt,
prüft sie erst einmal genau, wie Erfolg versprechend das
Gründungskonzept ist. Was Meier und seine Kollegen besonders
interessiert ist der Geschäftsplan des potentiellen Gründers.
Dabei müssen der veranschlagte Kapitalbedarf, die Rentabilitätsvorschau
und die Liquiditätsplanung besonders überzeugen.
Auch auf die Berufserfahrung und die Qualifikation des Gründerteams
kommt es an. Für ein Unternehmen wichtige Qualifikationen
sollten sich in der Zusammensetzung des Teams wieder finden. Die
Banken schauen auch, inwieweit die Kompetenz, die im Businessplan
suggeriert wird, mit der Kompetenz des Gründers übereinstimmt.
"Der Gründer sollte sich nie vollständig auf dritte
verlassen", meint Meier. Auch wer seinen Berater zum Gespräch
mitbringen, müsse selbst Rede und Antwort stehen können.
Wenn aber nur der Berater rede, würde man diesen mal für
eine halbe Stunde rausschicken, um zu hören, was der Gründer
selbst zu sagen habe.
Doch nicht nur die Qualifikation zählt. Meier: "Der
Gründungswillige sollte sich, bevor er zu uns kommt, in Ruhe
hinsetzen und sich fragen: Bin ich eine Gründerpersönlichkeit?"
Wichtig sei die Ehrlichkeit zu sich selbst, betont er.
Eine Alternative zu der Finanzierung über Kredite ist die
über Wagniskapital. Dieses Geld wird von so genannten Venture-Capital-Gesellschaften
vergeben. Die Finanzierung läuft nicht über Kredite
oder Darlehen sondern über Beteiligungen an den in Gründung
befindlichen Unternehmen. Nur ein kleiner Teil aller Existenzgründer
kommt für eine solche Finanzierungsform überhaupt in
Frage. Besonders gute Chancen haben zum Beispiel Firmen im IT-
oder Biotechnologie-Bereich. Für den Unternehmensgründer,
der einen kleinen Dienstleistungsbetrieb um die Ecke eröffnen
will, ist eine VC-Gesellschaft der falsche Ansprechpartner. Außerdem
darf der Finanzbedarf nicht zu klein sein, er sollte mindestens
500.000 Mark betragen.
Nicole Meißner von PEPPERMINT.Financial Partners, einer
Wagniskapital(VC)-Gesellschaft, erklärt das Finanzierungsprinzip
so: "Das Wagniskapital wird zum Eigenkapital des Existenzgründers."
Dafür trete der Gründer Anteile seiner Firma an die
VC-Gesellschaft ab. Meist seien das Minderheitsbeteiligung von
rund 25 Prozent. "Wenn das Unternehmen scheitert, verliert
auch die VC-Gesellschaft das eingesetzte Geld", berichtet
Meißner. Im Gegensatz zu einer kreditfinanzierten Existenzgründung
bedürfe es keine Sicherheiten des Gründers. Nach einer
längeren Zeit, z.B. fünf bis sieben Jahren, verkauft
die VC-Gesellschaft dann ihre Anteile zu einem möglichst
hohem Preis. Möglichkeiten dafür sind der Verkauf der
Anteile an ein anderes Unternehmen - in der Wirtschaft wird dieser
Vorgang Trade Sale genannt - oder der Gang an die Börse.
Damit sich dieses Risiko für VC-Gesellschaften Risiko lohnt,
erwarten sie vom Unternehmen überdurchschnittliche Gewinne
und hervorragende Wachstumsaussichten. Sie legen daher auch strengere
Kriterien an den Businessplan an. Meißner rät den Interessenten,
sich genau vorher zu informieren, bei welcher VC-Gesellschaft
man vorstellig werden möchte. Denn die einzelne Venture Capitalists
fördern nur Unternehmen mit einem ganz bestimmten Profil.
So kann sich der Gründungswillige schon im Vorfeld manche
Bewerbung samt der Absage sparen.
Der Finanzplan
Ohne Geld geht gar nichts.
Und ohne Zahlenwerk im Businessplan gibt´s kein Geld. So
einfach sich das anhört, so komplex ist die Erstellung eines
Finanzplans. Nicht umsonst raten Experten angehenden Existenzgründern,
Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer in die Erstellung dieses
Zahlenwerkes einzubeziehen. Dies gilt besonders dann, wenn die
künftigen Unternehmer wenig Erfahrung auf diesem Gebiet haben.
Verschiedene Einzelplanungen gehören zu einem vollständigen
Zahlenwerk: Die Kapitalbedarfsplanung, die Umsatz- und Rentabilitätsvorschau
sowie die Liquiditätsplanung.
Um den Kapitalbedarfsplanung erstellen zu können, muss der
Gründungswillige den Betrag ermitteln, der ihn die die Lage
versetzt, sein Unternehmen zu starten und die erste Aufbauphase
finanziell zu überstehen. Grundstücke, Betriebs- und
Geschäftsausstattung und Fahrzeuge müssen ebenso in
das Rechenwerk Eingang finden wie Maschinen, EDV-Anlagen sowie
die Materialausstattung. Nicht zuletzt gehören in diese Aufstellung
die Gründungskosten wie anfallende Gebühren für
Rechtsanwälte oder die Handelsregistereintragung.
Da sich der Jungunternehmer in der Gründungsphase finanziell
über Wasser halten muss, sind für sechs Monate auch
die Kosten der privaten Haushalts- und Lebensführung in der
Gesamtsumme zu berücksichtigen.
Ein anderer Teil des Zahlenwerkes ist die Rentabilitätsvorschau.
Dieses Instrument hilft dem Unternehmensgründer zu eruieren,
ob am Ende des Geschäftsjahres Gewinn übrigbleibt oder
nicht. Die Rechnung ist einfach: alle Kosten werden den Umsätzen
gegenübergestellt und daraus ergibt sich der Jahresüberschuss
(Gewinn) oder der Jahresfehlbetrag (Verlust).
Die Liquiditätsplanung dagegen hilft dem Gründer, einen
Überblick über sämtliche Zahlungsein- und -ausgänge
zu behalten. Auch dieses Prinzip ist einfach: die Höhe und
der Zeitpunkt aller Ein- und Auszahlungen werden erfasst. Da ein
Unternehmen nur dann liquide bleibt, wenn mehr eingenommen wird
als ausgezahlt werden muss, ergibt sich für Zeiträume,
in denen dieses nicht zutrifft, ein zusätzlicher Bedarf an
Geldmitteln. In die Liquiditätsplanung sollte der Existenzgründer
auch eine Sicherheitsreserve einbeziehen, falls z.B. Kunden ihre
Rechnungen nicht pünktlich begleichen.
Natürlich kann der Existenzgründer dieses Rechenwerk
nur mit Planzahlen erstellen. Dennoch helfen ihm diese Planungen:
Anhand der Zahlen kann er erkennen, ob das Vorhaben wirtschaftlich
rentabel sein wird. Das Zahlenwerk ist auch das erste Controlling-Instrument
des Jungunternehmens. Durch einen Vergleich der Ist- mit den Soll-Zahlen
kann er Abweichungen feststellen und auf diese reagieren.
Checkliste
Eine wichtige Hürde
bei der Finanzierung des eigenen Unternehmens ist das Gespräch
mit der Bank. Schon beim ersten Treffen entscheidet sich oft,
ob der Mitarbeiter Deiner Hausbank Deine Geschäftsidee unterstützt
und Dir damit den Weg zum Geld ebnet. Deshalb ist es sinnvoll,
dieses Gespräch gut vorzubereiten.
- Vereinbare rechtzeitig ein Gesprächstermin mit dem zuständigen
Mitarbeiter Deiner Hausbank - das kann ein Firmenkundenbetreuer
oder ein Spezialist für Existenzgründungen sein. Bei
dieser Gelegenheit sollte man auf jeden Fall fragen, welche Unterlagen
man zum Gespräch mitbringen soll.
- Du solltest diese Begegnung mit einem Bankvertreter gründlich
vorbereiten. Spiele zum Beispiel schon mal durch, welche Fragen
Dir gestellt werden könnten. "Warum wollen Sie sich
selbständig machen?" "Was zeichnet Ihr Produkt
im Vergleich zu den Konkurrenzprodukten aus?"
- Beim Gespräch solltest Du einen gut ausgearbeiteten Businessplan
vorlegen, aus dem klar hervorgeht, wie viel Geld Du für die
Unternehmensgründung benötigst. Einige Experten raten
davon ab, die gesamte Erstellung des Businessplans in fremde Hände
zu geben. Denn es macht einen schlechten Eindruck, wenn der Geschäftsplan
zwar perfekt ist, aber der potentielle Unternehmer seinen eigenen
Plan nicht kennt. Du solltest Deinen Plan sehr gut kennen und
auf Nachfragen sicher und kompetent antworten können.
- Auch das Auftreten entscheidet über den Erfolg des Gesprächs:
Trete deshalb selbstsicher auf. Lass Deine hundertprozentige Motivation
erkennen. Zeige, dass Dir viel an einer guten Zusammenarbeit mit
der Bank liegt.
- Schon bevor Du in das Gespräch mit den Menschen von der
Bank eintrittst, solltest Du Dir Gedanken darüber machen,
was Du als Sicherheit anbieten kannst. In der Regel gilt, dass
der Gründer 15 Prozent Eigenkapital mitbringt.
- Es kann sein, dass nicht die erstbeste Bank, der Du Deine Businessplan
vorlegst, Dein Vorhaben auch finanziert. Aus diesem Grund sollte
man gleich bei mehreren Banken einen Termin vereinbaren.
- Falls Du mit Deiner Geschäftsidee bei einem Kreditinstitut
nicht landen kannst, solltest Du auf jeden Fall nach den Gründen
fragen. Leuchten Dir die Begründungen ein, kannst Du trotz
der Ablehnung noch "Kapital" aus dem Misserfolg schlagen.
Die so gewonnenen Informationen kannst Du in Deinen Businessplan
einarbeiten.
Adressen / Internetangebote
Verschiedene Institutionen
und Hochschulen bieten speziell für Studierende und wissenschaftliche
Mitarbeiter Beratung und Unterstützung bei der Unternehmensgründung
an. Einige wichtige Ansprechpartner sind zum Beispiel:
Exist - Existenzgründung aus Hochschulen, Bundesministerium
für Bildung und Forschung, Referat 313, 53170 Bonn. www.exist.de
Bizeps - Bergische Universität - Gesamthochschule Wuppertal,
Transferstelle, Gaußstr. 20, 42097 Wuppertal, Tel: 0202/439-28
57. www.bizeps.de
Dresden exists - Technische Universität Dresden, Schumannbau
B239, Münchner Platz 3, 01069 Dresden, 0351/463-5638. www.dresden-exists.de
GET-UP - Gesellschaft zur Förderung neuer Technologie Thüringen
e.V., Langewiesener Str. 22, 98693 Ilmenau, 03677/ 87 71 15. www.getup-initiative.de
Keim - Informations- und Projektbüro, Haid-und-Neu-Str. 7,
76131 Karlsruhe, Tel 0721/86 58- 264. www.keim-online.de Anlaufstelle der Universitäten
Karlsruhe und Pforzheim.
Regionale Agentur für Existenzgründungen, Industriestr.2,
70565 Stuttgart, Tel: 0711/784-6816. www.push-stuttgart.de
ExistenzGründer-Institut Berlin e.V., Postfach 31 15 20,
10645 Berlin, Tel: 030/21 25 28 00. www.existenzgruender-institut.de.
Weitere Internetadressen rund um das Thema Existenzgründung:
- www.entrepreneurship.de - Eine Plattform mit dem Überblick
über das deutsche Gründungsnetzwerk.
- www.dta-gruenderzentrum.de oder www.dta.de - Deutsche Ausgleichsbank.
- www.gruenderstadt.de - Suchmaschine und Informationsplattform
für Existenzgründer.
- www.gruenderlinx.de - Linksammlung und Tipps für
Gründer.
- www.change-online.de - Existenzgründungsbörse
der Industrie- und Handelskammer.
- www.existenzgruender-netzwerk.de Existenzgründer helfen sich
gegenseitig beim Aufbau ihrer Unternehmen.
© Anja Schreiber
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