Gegenseitiges Beschnuppern

von Anja Schreiber

Auf der Suche nach einem adäquaten Job... viele Hochschulabsolventen und Studierende nutzen Fachmessen wie die CeBIT, um ihrem Ziel näher zu kommen. Aber auch Unternehmen ergreifen die Chance, hier passende Mitarbeiter zu finden. In der lockeren Atmosphäre eines Messestandes können die Bewerber Unternehmen beschnuppern und ihr Wissen über die Firmen vertiefen. Erste Kontakte zu Mitarbeitern ebnen dabei den Weg in die Unternehmen. Wer allerdings glaubt, er könne unvorbereitet bei seinem künftigen Arbeitgeber Eindruck schinden, der liegt falsch. Denn Personalverantwortliche sind sich einig: wer gut vorbereitet ist, hat bessere Chancen.
Beispiel IBM: Auf der CeBIT bietet das Unternehmen gleich an zwei Standorten Informationen für Berufseinsteiger an: am IBM Karrieretreff und auf dem Stand der Computerwoche. Diese Anlaufstellen dienen in erster Linie der Kontaktaufnahme und dem Informationsaustausch. Bewerber haben die Gelegenheit, nähere Informationen über die Einarbeitungsphase sowie über Praktika oder Diplomarbeiten zu erhalten.
IBM-Personalreferentin Tanja Jaser rät den Interessierten, sich zuvor gründlich über IBM zu informieren. "Der Bewerber sollte sich zuvor die Frage stellen, was ihn an IBM speziell interessiert und in welchem Bereich er arbeiten will." Zu einer guten Vorbereitung gehöre es nicht unbedingt, Bilanzzahlen oder andere harte Fakten auswendig zu lernen, sondern sich und seinen Berufswunsch einer Reflexion zu unterziehen. Der Grund für diese Art der Vorbereitung liegt auf der Hand: Je konkreter die Vorstellungen der Bewerber sind, desto besser können die IBM-Mitarbeiter beraten und mit ihnen gemeinsam das richtige Tätigkeitsfeld finden. Gespräche sind nicht nur mit Personalvertretern möglich, sondern auch mit Mitarbeitern unterschiedlicher Fachrichtung. Im Gegensatz zu vielen Recruitingmessen gibt es bei IBM auf der CeBIT nicht die Möglichkeit, Gesprächstermine vorab zu vereinbaren. Je nach Intensität des Austausches kann ein Gespräch am Stand aber durchaus bis zu einer Stunde dauern.
Um eine effektive Beratung zu ermöglichen rät Frau Jaser den Bewerbern, einen Lebenslauf - auf einer DIN A4-Seite zusammengefasst - mitzubringen. Denn anhand dieses Schriftstückes könne der Unternehmensmitarbeiter schnell die Studienschwerpunkte und Erfahrungen des Interessenten - wie z.B. Praktika - erkennen.
Auch wenn am Stand von IBM keine Arbeitsverträge unterschrieben werden, sondern lediglich ein erster Schritt in Richtung Bewerbung gegangen wird: das Outfit sollte stimmen. Ein Anzug oder ein Kostüm sei zwar nicht erforderlich, so Jaser, aber ein gepflegtes Aussehen sei unabdingbar. Der Bewerber sollte freundlich, offen und unkompliziert auf die Mitarbeiter zukommen.
Eine dicke Bewerbungsmappe brauchen Interessierte übrigens nicht abzugeben, denn der Interessent kann sich nach einem Gespräch online bewerben. Informationen dazu gibt es auf der Messe.
Auch die Allianz erwartet wie IBM, dass sich Interessenten vorab über das Unternehmen schlau machen. "Ich empfehle, sich vor einem Gespräch z.B. unsere Unternehmenshomepage anzuschauen", betont Martin Söllner, Referent im Personalmarketing des ebenfalls auf der CeBIT vertretenen Unternehmens. Dort würden die Interessenten Wichtiges über Geschäftsfelder und Unternehmensbereiche erfahren. Doch diese Vorbereitung ist längst noch nicht gang und gebe. Zwar sei es legitim, sich nur umzugucken. Wer allerdings weiter gehende Interessen hat, sollte sich vor dem Gespräch am Stand auch über persönliche Erwartungen klar werden z.B.: Welche Position will ich im Unternehmen bekleiden? Warum strebe ich die Position gerade bei diesem Unternehmen an?
Die Allianz ist auch auf Recruitingmessen vertreten. Auf einigen dieser Messen gibt es die Möglichkeit, sich über den Messeveranstalter um ein Einzelgespräch beim Unternehmen zu bewerben. "Das ist dann nicht mehr so unverbindlich", berichtet Söllner, da die Bewerber dann bereits Unterlagen eingereicht haben. Die Allianz-Mitarbeiter halten die Ergebnisse dieser Einzelgespräche schriftlich fest und kommentieren und bewerten die Eignung des Kandidaten. Söllner rät diesen, die Unternehmensmitarbeiter um ein Feedback zu bitten. "Die Antworten können für weitere Gespräche hilfreich sein", so Söllner.
Die vollständigen Bewerbungsunterlagen brauchen Interessenten nicht gleich parat haben. Das Problem bei solchen Mappen sei, dass sich die Hochschulabsolventen für keine konkrete Position bewerben würden. Wichtiger sei es, einen Lebenslauf samt Notenspiegel dabei zu haben. Söllner: "Wenn der Bewerber für uns interessant ist, fordern wir die restlichen Unterlagen nach."
Auch die Allianz hält es für selbstverständlich, dass Interessenten in angemessener Kleidung erscheinen. Besonders wichtig ist Söllner aber etwas anderes: "Bewerber sollten authentisch auftreten und eine realistische Selbsteinschätzung haben "
Wer sich für BMW interessiert, kann Kontakte zum Unternehmen z.B. auf der IAA, aber auch auf der CeBIT knüpfen. Und auch hier gilt: Man sollte sich vorher auf den Internetseiten des Unternehmens informieren. "Wir verstehen Messeauftritte als Marktplatz, auf dem wir uns vorstellen", berichtet die Pressesprecherin der BMW Group Christine Krepold. "Bewerber können uns so kennen lernen." Bei einem ersten Kontakte auf der Messe gebe es keine Do´s und Don`ts, so Krepold. Auch im Anzug oder Kostüm müsse man nicht erscheinen. Der Bewerber sollte sich nach dem Gespräch die Frage stellen, ob er zum Unternehmen passe und sich mit den Produkten identifizieren könne. Die Begeisterung des Bewerbers für BMW ist nämlich neben der fachlichen Qualifikation, der Auslandserfahrung und der sozialen Kompetenz ein entscheidendes Kriterium für die Einstellung.
Was für IBM die CeBIT, das ist für die Preussag die ITB (Internationale Tourismusbörse). Und auch hier heißt dass Motto: Eine Fachmesse ist keine Recruitingmesse. Deshalb steht im Vordergrund die allgemeine Information. Doch Helge Kochskämper, Leiter der Führungskräfteentwicklung bei der Preussag warnt: Schon mit den ersten Fragen beginnt eine mögliche Bewerbung. Man sollte schon wissen, was das Kerngeschäft der Preussag ist und welche Gesellschaften zum Konzern gehören. Neben der Information durch das Internet rät er, auch die Medien zu verfolgen, um so über das Unternehmen und die Branche auf dem Laufenden zu sein.
Auch sollte der Interessent bei einem Gespräch auf alle Eventualitäten gefasst sein. "Wenn bei einem Unternehmensmitarbeiter Interesse geweckt worden ist, sollte man nicht überrascht sein, wenn dieser mehr von einem wissen will." Dann müsse der Kandidat auch in der Lage sein, seinem Gegenüber Rede und Antwort zu stehen und gezielte Fragen überzeugend beantworten können. Der Interessent sollte möglichst auch seine Bewerbungsunterlagen dabei haben.
Kochskämper rät davon ab, sich am Stand zu verstellen. Viel besser komme ein Bewerber an, wenn er sich so präsentiert, wie er ist. Die Devise sei: "locker sein, lächeln können und Humor haben". Das Outfit des Bewerbers sollte gepflegt und angemessen sein. Zu einer Managementposition passe eben keine sportliche Bekleidung, auch nicht in der Tourismusbranche.
Wie bei vielen anderen Unternehmen ist es auch bei der Preussag Usus, dass am Stand keine Arbeitsverträge unterzeichnet werden. Das Gespräch am Messestand ist einer erster Kontakt ... mehr nicht. Allerdings sollte sich der Bewerber, so Kochskämper, darauf einstellen, dass er spontan oder im Lauf der Messe doch noch zu einem längerem Gespräch gebeten wird. In diesem Fall sei es wichtig, "präsent" zu sein. Auch Praktika und Diplomarbeiten werden in der Regel nicht am Stand vergeben. Eine Bewerbung ist unumgänglich.
Auch auf Recruitingmessen können Interessierte erste Kontakte zu Unternehmen knüpfen. Für diese Veranstaltungen gelten die gleichen Tipps wie für Fachmessen. Oliver Triebel, Leiter der Führungskräfteentwicklung des Medienunternehmens Bertelsmann, warnt: einige Interessenten haben sich bereits "zu sehr festgelegt". Das sei genauso falsch, wie ohne eigene Standortbestimmung zur Messe zu erscheinen. "Hat man ein Einzelgespräch auf einer Messe vereinbart, sollte man das auf jeden Fall wahrnehmen", betont Triebel. Doch er hat noch mehr Tipps für den Nachwuchs auf Lager: Es sei sinnvoll, sein Interesse auf einige wenige Zielunternehmen zu fokussieren und die auf der Messe gesammelten Informationen nachzubereiten: Hat mich die Unternehmenspräsentation angesprochen? Stimmte die menschliche Atmosphäre? Welche für mich wichtigen Kriterien erfüllt das Unternehmen? Hatte ich ein gutes oder ungutes Gefühl? Die Antworten auf diese Fragen, so Triebel, sollte man dann in seine Entscheidungsfindung einbeziehen.
Triebel: "Wer am Messestand ein gutes Gespräch mit einem Unternehmensmitarbeiter führt, sollte sich dessen Visitenkarte geben lassen und ihn fragen, ob er diesem persönlich seine Bewerbungsunterlagen schicken darf." Einen schlechten Eindruck mache es, wenn ein Bewerber verzweifelt einen Arbeitsplatz suche und schon eine "Niederlage ausstrahle", nach dem Motto: "Ich bin nichts, ich hab nur Geisteswissenschaften studiert." Bewerber sollten sich stattdessen fragen: Was habe ich zu bieten? Welche Position könnte ich optimal ausfüllen? Ein richtiges Maß an Selbstbewusstsein kommt gut an.

Die wichtigsten Tipps auf einem Blick:
- In jeden Fall sollte man den Messebesuch vorbereiten. Besonders wichtig ist es, sich über die Firmen, mit denen man in Kontakt kommen will, grundsätzlich zu informieren. Besonders hilfreich sind dabei die Internetseiten der Unternehmen.
- Zu der Messevorbereitung gehört auch die Reflexion seiner eigenen Fähigkeiten und Karrierewünsche. In welchem Bereich des Unternehmens möchte ich arbeiten? Welche besonderen Fähigkeiten bringe ich für diese Tätigkeiten mit?
- Nicht alle Unternehmen erwarten, dass der Interessent seine vollständigen Bewerbungsunterlagen auf die Messe mitbringt. Allerdings empfehlen die Personalverantwortlichen den Bewerbern, einen kurzen Lebenslauf dabei zu haben. Denn dieser wird oft Grundlage eines Gesprächs.
- Unternehmensmitarbeiter erwarten von Bewerbern ein angemessenes und gepflegtes Äußeres - das muss aber nicht grundsätzlich ein Anzug oder Kostüm sein. Besonderen Wert wird darauf gelegt, dass der Bewerber authentisch ist und sich nicht verstellt. Auch ein richtige Maß an Selbstbewusstsein macht einen guten Eindruck.


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