Kapieren geht
über Kopieren
von Anja Schreiber
Raus aus der Uni, rein ins Berufsleben: Egal welchen Studiengang
der Akademiker in spe belegt oder welchen Abschluss er ansteuert:
der Schlüssel zum erfolgreichen Berufseinstieg sind oft Praktika.
Darin sind sich Studienberater einig. An vielen Universitäten
werden Studis, die in die Praxis schnuppern wollen, inzwischen
tatkräftig unterstützt: Praktikumsbörsen, spezielle
Beauftragte oder so genannte CareerServices geben Hilfestellung.
Keinen Praxisschock, sondern eine richtig gute Erfahrung hat Sven
Nagel mit seinem Praktikum gemacht. "Ich habe erfahren, dass
man sich aufeinander verlassen kann", berichtet der Student
der Literaturwissenschaft über seinen Einsatz in der Presseabteilung
der Adam Opel AG. Er war begeistert, wie professionell und effektiv
die Arbeit im Team ablief. Der künftige Geisteswissenschaftler
war im Unternehmen voll eingebunden. Er bearbeitete z.B. Anfragen
von Journalisten.
Das typische Problem, dass ein Praktikant dauernd zum Kaffeekochen
oder Kopieren abgestellt wird, hatte Nagel nicht. "Wenn ich
für eine Anfrage eine Kopie brauchte, habe ich sie selbst
gemacht." Beim Kaffeekochen ging´s ganz demokratisch
zu: jeder hat es mal gemacht und anderen davon angeboten.
Auch der Soziologiestudent Tim Görts musste nie Kaffee kochen.
Er hat bei der Firma Velomax ein Praktikum als Assistent der Projektleitung
absolviert. Das Unternehmen organisiert Sport- und Musikevents
in zwei großen Berliner Sporthallen. "Das Praktikum
hat viel gebracht", berichtet Görts. Er hat verschiedene
Seiten des Unternehmens kennen gelernt, von der Pressearbeit bis
zur Kostenkalkulation. Sein Tipp für Praktikanten: sich in
die Firma hineindenken und sich fragen, was noch gemacht werden
muss.
Wer so denkt, unterstützt die Arbeit im Team. Auch für
den Praktikanten bringt ein solches Denken und Handeln nur Vorteile.
Er wird in der Regel in interessantere Projekte eingebunden und
ihm werden qualifizierte Aufgaben übertragen.
Doch vor dem Blick in die Praxis steht den Studis meist ein mühsamer
Bewerbungsmarathon ins Haus. Die Diplom-Pädagogin Christine
Arlt vom CareerService der Freien Universität berät
Studierende, die ein Praktikum machen wollen. "Wichtig sind
Branchenkenntnisse", betont Arlt. Deshalb sollte man sich
in jedem Fall vor Bewerbungsbeginn über die Unternehmen sowie
über das Tätigkeits- und Berufsfeld informieren. Sinnvoll
sei es, wenn das Praktikum einen Bezug zum Studium habe. Die Mitarbeiter
vom CareerService geben Tipps zur Praktikumssuche und unterstützen
die Studis auch bei der Bewerbung. "Aber wir sind keine Praktikumsagentur",
betont Arlt.
Der Gang zu einer Beratungseinrichtung wie dem CareerService lohnt
sich im jeden Fall. Denn hier bekommt der Student erst einmal
wichtige Infos an die Hand wie z.B. Internetadressen von Praktikumsbörsen.
Aber auch über andere Fragen kann sich der Hochschüler
schlau machen. Was sollte in einem Praktikumsvertrag stehen? Was
muss ein Zeugnis enthalten? Arlt rät: In einem Vertrag sollten
Arbeitszeiten und -inhalte, aber auch Versicherungsschutz und
eine eventuelle Vergütung geregelt sein.
Einen Rechtsanspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis - das z.B.
Einsatzstelle, Aufgabenbereich und Leistungsbewertung enthält
- gibt es übrigens nicht, nur auf einen einfachen Praktikumsnachweis.
Deshalb der Beratertipp: Um dem Praktikumsgeber das Erstellen
eines Zeugnisses zu erleichtern, sollten Studis Angaben über
verschiedene Tätigkeiten, die sie während des Praktikums
ausgeführt haben, vorformulieren.
Doch alle Beratungsangebote entbinden den Studenten nicht davon,
sich genau über seinen gewünschten Praktikumsgeber zu
informieren. Denn in jeder Branche, in jedem Unternehmen und in
jedem Berufsbild sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche
Bewerbung verschieden.
Bei der Werbeagentur Scholz & Friends werden die Praktikanten
nach unterschiedlichen Kriterien ausgewählt, die abhängig
sind von dem Tätigkeitsfeld, für das sich die Studis
bewerben. So müssen Bewerber im Grafikbereich ein Vordiplom
in einem entsprechenden Studiengang vorweisen können, berichtet
Robert Fiederer von Scholz & Friends. Dagegen kommen viele
Praktikanten im Textbereich aus ganz unterschiedlichen Studiengängen:
Politologen sind genauso mit von der Partie wie Philosophie- oder
Germanistikstudenten. Das Unternehmen sucht sich die Talente nach
einem Test aus, in dem der Bewerber z.B. eine Bedienungsanleitung
texten muss. Im Beratungsbereich dagegen sollten die Praktikanten
vom Fach sein und z.B. BWL studieren. Die Noten spielen deshalb
als Beurteilungskriterium eine wichtige Rolle.
Scholz & Friends zahlen den Praktikanten 500 Mark im Monat.
Doch das ist längst nicht die Regel: "Nur 20 bis 30
Prozent bekommen Geld", berichtet Arlt. Bei der Zentrale
der Deutschen Bank in Frankfurt gibt es eine Vergütung von
800 Euro. Allerdings sollte man schon sein Vordiplom - spätestens
zum Zeitpunkt des Praktikumsbeginns - in der Tasche haben. "Am
besten ist, wenn sich die Bewerber konkret auf ein bis zwei Einsatzbereiche
bewerben", betont Miriam Eger von der Deutschen Bank. Sie
rät, vor der Bewerbung auf die Unternehmenshomepage zu schauen
und die Kurzprofile der angebotenen Praktikumsplätze zu studieren.
Zwei Tipps zum Schluss:
- In der Regel sollte man sich mindestens ein halbes Jahr vor
dem gewünschten Praktikumsbeginn bewerben.
- Ein Praktikum unter zwei Monaten ist meist wenig sinnvoll. Viele
Firmen bieten drei- bis sechsmonatige Praktika an.
Studi-Netzwerk
Dem Traumjob entgegen, aber nicht mit Ellenbogen, sondern im Team.
Studierende der Freien Universität Berlin haben sich auf
die Fahnen geschrieben, sich gegenseitig beim Berufseinstieg zu
unterstützen. Und so gründeten sie den Verein "career
service network". Kennen gelernt haben sich die studentischen
Vereinsgründer bei der Teilnahme an einem Praxisprogramm,
das vom CareerService der Freien Universität Berlin angeboten
wird.
Im kostenpflichtigen Zusatzstudium erwarben sich die Studenten
nicht nur Kenntnisse in Rhetorik, Präsentationstechniken,
Wirtschaft und im IT-Bereich, sondern auch jede Menge neuer Erkenntnisse:
"Wir haben gelernt, dass man in Teams, deren Mitglieder aus
verschiedenen Studiengängen kommen, sehr gut und effektiv
zusammen arbeiten kann", schwärmt der Soziologie-Student
und Vereinsvorsitzender Tim Görts.
"Wir waren nicht mehr wie Einzelkämpfer mit einzelnen
Aufgaben beschäftigt, sondern suchten gemeinsam Lösungen."
Motiviert durch den zweisemestrigen Kurs und der Einsicht, dass
man gemeinsam mehr erreicht, entwickelten die Studenten im vergangenen
Februar die Netzwerk-Idee. Das Ziel: Das Netzwerk aus Geistes-
und Sozialwissenschaftlern soll Kontakte zwischen Universität
und Wirtschaft knüpfen und seinen Mitgliedern beim nahtlosen
Übergang vom Studium in den Beruf behilflich sein.
Konkret soll der Verein nach dem "Senior-Junior-Prinzip"
funktionieren. In der Karriere weiter fortgeschrittene Studis
oder Absolventen helfen Jüngeren bei der Praktikums-Suche
oder geben ihre Jobs weiter. "Das passiert schon jetzt",
betont Görts. Auch eine vereinsinterne Beratung von Mitglied
zu Mitglied strebt das "CSN" an. Dabei verstehen sich
die CSNler weder als "exklusive Elite" noch als große
Praktikumsbörse.
Mit viel Elan machen sich die Studis an den Aufbau von Kontakten
zur Wirtschaft. So besuchen sie Messen und sprechen Unternehmer
persönlich an. Ziel: durch den persönlichen Kontakt
Vermittlung von Praktikums- und Arbeitsplätzen. Ein zweiter
Tätigkeitsbereich des Vereins soll die Organisation von Infoveranstaltungen
sein. Kontakt: career service network e.v. , E-Mail: vorstand@career-service-network.de.
Internetadresse: www.career-service-network.de
Tipps: Wie bewerbe
ich mich um ein Praktikum?
- Zuerst solltest Du Dich über mögliche Praktikumsbereiche
informieren. Das Lesen von Literatur über Dich interessierende
Berufsfelder gehört genauso dazu wie Gespräche mit Leuten,
die bereits in der Branche arbeiten.
- In jedem Fall ist es sinnvoll, die Beratungsangebote an Deiner
Hochschule in Anspruch zu nehmen wie z.B. CareerService, Praktikumsbörsen
etc.
- Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Adressen potentieller
Anbieter herauszufinden. Neben der klassischen Recherche in Zeitungen,
Zeitschriften und Fachzeitschriften bietet sich das Internet an.
Nicht nur in Online-Praktikumsbörsen findet man Angebote,
verschiedene Unternehmen schreiben auf ihrer Homepage auch Praktikumsplätze
aus. Auch Erkundigungen im Bekanntenkreis lohnen sich.
- Die erste Kontaktaufnahme sollte nicht über wahllos verschickte
Bewerbungen, sondern über gezielte Telefonate erfolgen. Hier
kannst Du Ansprechpartner, Praktikumsangebote und -zeiträume
erfragen.
- Auch vor dem Verfassen des Bewerbungsschreibens lohnt sich ein
Blick ins Internet, denn hier findest Du Unternehmensinfos. Schließlich
solltest Du in Deinem Anschreiben zu erkennen geben, dass Du Dich
vorher genau informiert hast.
- Zu den Bewerbungsunterlagen gehören in der Regel Anschreiben,
Lebenslauf, falls vorhanden Arbeitsproben und Praktikumszeugnisse.
Es ist auch nicht verkehrt, ein Lichtbild beizulegen. Abizeugnis
oder Zeugnisse über bisherige Studienleistungen werden nicht
von jedem Unternehmen gewünscht. Auch hier gilt wieder: Erst
informieren, dann bewerben.
- Vor Praktikumsbeginn solltest Du die Versicherungsmodalitäten
und die Ausfertigung des Zeugnisses abklären.
Nützliche
Internet-Adressen:
www.audimax.de/boersen/praktikum/
www.wiwo.de/praktikum.htm
www.arbeitsamt.de
www.berufsstart.de
www.praktikum.net
www.praktikum.com
www.praktikums-boerse.de
http://www.jobware.de
www.jobpilot.de/firmen/praktika/praktikastart.phtml
© Anja Schreiber - All rights reserved ![]()