Auf der Suche
von Anja Schreiber
Den ganzen Menschen
im Blick. Mit diesem Programm tritt das European College of Liberal
Arts (ECLA) an. Vorbild der in Berlin-Buch beheimateten Initiative
sind die im angelsächsischem Raum beheimateten Liberal Arts
Colleges.
Nachdem ECLA in den Jahren 2000 und 2001 eine Sommeruniversität
veranstaltet hat, steht nun in diesem Jahr der nächste Schritt
an: ab kommenden Herbst soll für etwa 80 Studierende ein
einjähriges Studium generale mit dem Namen Foundation Year
Programme angeboten werden. Dieses will das ECLA in zwei verschiedenen
Studienvarianten anbieten: Zum einen für besonders begabte
und motivierte Studienanfänger - also Abiturienten und Studenten
im Grundstudium, zum anderen für Absolventen mit Bachelor-
oder Magistertitel, so Stefan Gutzeit, geschäftsführendes
Vorstandsmitglied von ECLA.
Das einjährige Studium soll eine "Bildungsreise durch
die europäische Ideengeschichte werden: im ersten Quartal
geht die Reise vom Alten Testament bis Dante, im zweiten bis Newton
und im dritten von Rousseau bis zur Gegenwart. Während dieses
Programmes sollen Klassiker aus Philosophie, Literatur, Geschichts-
und Politikwissenschaft, aber auch aus Ökonomie und Naturwissenschaft
analysiert und interpretiert werden.
Um das Gelernte zu vertiefen will ECLA neben Vorlesungen und Seminaren
auch so genannte Tutorials - persönliche Lehrgespräche
mit dem Professor - anbieten. Und noch etwas werde, so Gutzeit,
den einschlägigen angelsächsischen Colleges gleichen:
die Studierenden und Professoren wohnen gemeinsam auf dem Campus.
Neben den interdisziplinären Inhalten des Studiums steht
auch der Erwerb von Schlüsselqualifikationen wie z.B. Rhetorik,
Didaktik und Projektmanagement auf dem Stundenplan. Während
im vierten Quartal die Teilnehmer des Aufbaustudiengangs an ihrer
Forschungsarbeit zur Erlangung des Titels Master of Arts in the
History of Ideas schreiben, machen sich die anderen Studierenden
mit angewandter Betriebswirtschaftslehre vertraut und absolvieren
ein achtwöchiges Praktikum. Gutzeit: Unsere Kurse und der
Abschluss "MA in the History of Ideas" sind in den USA
und damit weltweit bereits anerkannt. Denn unsere Partneruniversität
Bard College (New York) stellt für unsere Studenten bei Bedarf
Zeugnisse aus. Zusätzlich strebe ECLA eine eigene Akkreditierung
an und stehe zur Zeit mit einer deutschen Akkreditierungsagentur
in Verhandlung.
Das ECLA finanziert sich unter anderem durch Zuwendungen von Stiftungen
wie z.B Mercator. Für das Jahr 2002/2003 rechnet Gutzeit
mit einer Grundfinanzierung von insgesamt 1,7 Millionen Euro.
Der erste Durchgang des Foundation Year Programme sei finanziell
gesichert. Das schließe auch Stipendien ein, so Gutzeit.
Die beiden folgenden Durchgänge sind noch nicht ausfinanziert.
Gutzeit betont aber: Mehrere deutsche Stiftungen sind zur Zeit
dabei, unsere Anträge wohlwollend zu prüfen. Ein weiteres
Standbein der Finanzierung sind die Studiengebühren. Für
EU-Bürger betragen diese 9.000 Euro, für andere 12.000
Euro im Jahr - Unterkunft und Verpflegung inklusive.
ECLA will in Zukunft drei- bzw. vierjährige BA- und MA-Studiengänge
anbieten. Den Beginn kann Gutzeit aber noch nicht genau terminieren:
Der Herbst 2003 wäre ideal; der Herbst 2004 ist realistischer.
Das Jahresbudget für die dritte Projektphase liege bei anfangs
2,2 Mio. Euro.
Prof. Klaus Landfried, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz,
hat das ECLA persönlich kennen gelernt und kam zu einer positiven
Einschätzung. Zwar habe er in letzter Zeit die massive staatliche
Subventionierung der privaten International University Bremen
mit insgesamt über 150 Millionen Euro kritisiert. Da kreative
Ideen wie ECLA eine Chance bekommen sollten, sei gegen eine gewisse
Unterstützung für ECLA aus öffentlichen Mitteln
nichts einzuwenden, so Landfried.
Auch Annabel von Klenck, Geschäftsführerin der Stiftung
Mercator GmbH, steht hinter dem Projekt. Wir sind von der Idee
sehr begeistert. Man sei fest überzeugt, dass diese Form
des Studiums einen Modellcharakter habe.
Doch es gibt auch kritische Stimmen. Ein Expertengremium des Stifterverbandes
bewertete 16 private internationalen Hochschulen in Deutschland.
Fazit: ECLA habe zwar ein unverwechselbares kreatives Studienangebot.
Zu bemängeln seien aber die fehlenden systematischen Mechanismen
der Qualitätssicherung, z.B. die trotz offenkundigem Enthusiasmus
nicht vorhandene belastbare Personalstruktur. Es seien zwar beachtliche
Initiativen in der Mitteleinwerbung unternommen worden. Allerdings
sei das Aquisitionskonzept für einen Vollbetrieb unrealistisch.
Es fehle, so Dr. Volker Meyer-Guckel vom Stifterverband, ein Großfinanzier
im Hintergrund.
In diese Richtung geht auch die Kritik von Dr. Erich Runge, bis
Sommer 2001 Vorstandsmitglied bei ECLA. Wie der Stifterverband
sieht der habilitierte Physiker die Finanzierung nur dann gesichert,
wenn ein großes Stiftungsvermögen oder die finanzielle
Unterstützung des Landes Berlin vorhanden sei.
Gutzeit lässt sich durch diese Kritik nicht abschrecken.
Auch andere private Unis haben einmal klein angefangen. Schon
jetzt bekomme ECLA von acht Stiftungen und vermögenden Privatleuten
Geld. Gut möglich, dass ein oder zwei davon zu "Grossfinanziers"
werden -- man muss Geduld haben, betont Gutzeit. Im Laufe der
nächsten Monate werden wir Personal aufbauen.
Grundsätzlich ist Runge immer noch von dem ECLA-Profil begeistert.
Im Prinzip ist die Idee toll. Er bereue nicht die Mitarbeit. Sie
sei für ihn sehr lehrreich gewesen. Auch den Sommerstudenten
hätte sie viel gebracht.
© Anja Schreiber -
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