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Kapitel 1: Promovieren: Ja oder Nein - Das ist hier die Frage
Exkurs: Mehr als 40 verschiedenen Doktortitel
Kapitel 2: Der Doktortitel als Karrierehelfer
Kapitel 3: Ohne Zaster kein Doktor
Kapitel 4: Immer realistisch bleiben
Kapitel 6: Rede und Antwort stehen
Kapitel 1: Promovieren: Ja oder Nein - Das ist hier die Frage
Den Hochschulabschluß in der Tasche
und die Frage Soll ich promovieren? im Kopf: So ergeht
es immer mehr Hochschulabsolventen. 1986 wurden in den alten Bundesländern
15 530 Promotionsprüfungen abgelegt. 1989 stieg nach Angaben
des Statistischen Bundesamtes die Zahl bereits auf 17901. 1993
hat das Bundesamt erstmals die Promotionszahl in ganz Deutschland
ermittelt: Sie lag bei 21032. Im Jahr 1996 wurden sogar 22849
Prüfungen abgelegt.
Die Gründe, warum Jungakademiker sich zur Promotion entschließen,
sind vielfältig. Die Begeisterung für die wissenschaftliche
Arbeit im Allgemeinen oder für ihr Spezialgebiet im Besonderen
spielt bei vielen Promovenden eine Rolle. Auch die drohende Arbeitslosigkeit
macht Hochschulabsolventen die Entscheidung meist schwer, sich
von der Uni zu lösen. Viele hoffen, durch einen Doktortitel
ihre Berufschancen verbessern zu können.
Manche von ihnen glauben, sich durch einen Doktortitel von der
Masse der Hochschulabsolventen abheben zu können. Doch eine
Karrieregarantie ist der Doktorhut heute nicht mehr. Das Promotionsvorhaben
kann genauso gut Risiken mit sich bringen: Während der Promovend
noch Uniluft schnuppert, können nichtpromovierende Jungakademiker
Berufserfahrung sammeln.
Die meisten Dissertationen werden immer noch im Fach Humanmedizin
geschrieben. 1996 legten nach Angaben des Statistischen Bundessamtes
hier 7337 Akademiker die Prüfung ab. In der Mathematik und
den Naturwissenschaften wurden im gleichen Jahr 7006 Promotionsprüfungen
bestanden. Die Zahl der abgeschlossenen Promotionen in anderen
Wissenschaften ist viel geringer: Sie lag bei den Sprach- und
Kulturwissenschaften in der gleichen Zeit bei 2091, in den Ingenieurwissenschaften
bei 2307.
Der Wunsch zu promovieren steht und fällt häufig mit
der Frage der Finanzierung. Mit ihr ist oft ein unterschiedlicher
Weg zum Doktortitel vorgezeichnet. Wer innerhalb eines Graduiertenkollegs
seine Dissertation schreibt, wird drei Jahre lang von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft gefördert. So können Nachwuchsakademiker
in relativ kurzer Zeit ihren Doktor machen. Im Gegensatz zu Kommilitonen,
die als Assistenten angestellt sind, haben solche Promovenden
keine Lehrverpflichtung. Assistenten dagegen haben in der Regel
fünf Jahre Zeit zu promovieren. Sie sitzen zwar länger
an ihrer Arbeit, erwerben aber auch zusätzliche Qualifikationen,
weil sie in der Lehre tätig sind und in den normalen Unibetrieb
eingebunden sind.
Zwei bis fünf Jahre sitzen die meisten Doktoranden an ihrer
Arbeit. Eine lange Zeit - in der sich auch Probleme einstellen
können. Überzogene Ansprüche gegenüber der
eigenen Arbeit, Schreibblockaden oder das Problem, über der
Arbeit zu vereinsamen. Doch es gibt Auswege: Studienberatungen
bieten Gespräche und Seminare an, in Doktorandenkolloquien
lernen die Promovenden, ihre Arbeitsergebnisse zu präsentieren.
Ist die Dissertation abgegeben, das Rigorosum oder die Disputation
erfolgreich absolviert, ist der Nachwuchswissenschaftler nach
dem Gesetz jedoch noch kein Doktor. Erst muß er seine Arbeit
publizieren und eine bestimmte Anzahl von Pflichtexemplaren seiner
Uni zukommen lassen. Jetzt steht dem Akademiker häufig eine
böse Überraschung bevor: die Publikation der Doktorarbeit
als Buch ist ein teurer Spaß. In der Regel muß
man 2000 bis 5000 Mark an sogenannten Druckkostenzuschüssen
zahlen. An manchen Universitäten gibt es inzwischen eine
Alternative: Dort kann man seine Arbeit auch im Internet veröffentlichen.
Erst jetzt wird dem frischgebackenen Doktor die Promotionsurkunde
überreicht.
Checkliste
Wer promovieren will, sollte sich einige
Fragen stellen:
Warum will ich promovieren? Reicht der Grund als Motivation auch
in schwierigen Zeiten? Wie finanziere ich meine Doktorarbeit?
Wieviel Zeit will und kann ich in die Arbeit investieren? Paßt
ein Dissertationsvorhaben in meine Lebensplanung? Ist sie für
meinen beruflichen Werdegang sinnvoll? Diese Fragen sollte ein
Nachwuchsakademiker im Gespräch mit Freunden, aber auch mit
Berufsberatern vom Arbeitsamt und/oder Studienberatern an den
Universitäten klären, bevor man sich in das Wagnis Promotion
stürzt.
Exkurs: Mehr als 40 verschiedenen Doktortitel
Dr. phil, Dr. med., Dr. Ing. - mehr als
40 verschiedene Doktortitel können Nachwuchsakademiker an
deutschen Hochschulen erwerben. Zu den bekanntesten Doktorhütten
gehören sicherlich der Doktor medicinae oder Doktor medicinae
dentariae für Humanmediziner und Zahnmediziner. Einen Doktor
der Philosophie (Dr.phil) verleihen die Universitäten nicht
nur Philosophen, sondern auch Historikern, Altertumswissenschaftler,
Philologen und Sozialwissenschaftler. Eine Ausnahme wird in der
Theologie gemacht: diese Geisteswissenschaft hat ihren eigenen
Dotortitel, den Doktor theologiae.
Wer in den Erziehungswissenschaften promoviert, kann sich später
Dr. phil. nennen, aber es gibt auch Hochschulen die den Titel
Dr.sc.paed. verleihen. Politologen erlangen in der Regel den Dr.
rer. pol. (Doktor rerum politicarum), ebenso wie Wirtschaftswissenschaftler.
Naturwissensachaftlern - ob Mathematiker, Pharmazeuten oder Physiker
- wird im Allgemeinen der Titel Dr. rer. nat. verliehen. Ingenieurwissenschaftler
wie Elektrotechniker, Maschinenbauer und Architekten können
den Dr.Ing. erwerben.
Kapitel 2: Der Doktortitel als Karrierehelfer
Der Doktortitel auf der Visitenkarte. Bei
Managern, Fach- und Führungskräften sind die zwei kleinen
Buchstaben vor dem Namen keine Seltenheit. Doch die ersehnte Karriere
fällt dem frischgebackenem Doktor mit der Verleihung des
Titels nicht automatisch in den Schoß. Die Frage, ob eine
Promotion beim Berufseinstieg hilft oder der Titelträger
wegen seines höheren Lebensalters Nachteile beim Berufseinstieg
hat, ist nicht mit einem klaren Ja oder Nein zu beantworten.
Nicht allein der Doktortitel zählt bei einer Bewerbung, auch
die Dauer der Promotion und das Thema können über Einstellung
oder Ablehnung entscheiden. Die 30 ist eine magische Grenze,
berichtet Ellbjörg Kleiner vom Hochschulteam des Arbeitsamtes
Berlin Südwest. Bis zum dreißigsten Geburtstag sollte
der Nachwuchswissenschaftler seine Promotion beendet haben. So
lasse sich dem Argument vorbeugen, Promovierte seien zu alt, um
sich in die Berufspraxis einleben zu können. Allerdings liege
das Alter der Nachwuchsakademiker, die ihre Promotion ablegten,
häufig höher, so die Berufsberaterin.
Promovenden, die gleichzeitig als Assistenten tätig sind,
haben fünf Jahre für ihre Doktorarbeit Zeit, die anderen
Nachwuchsakademiker sollten nicht länger als drei Jahre brauchen.
Auch das Thema der Promotion ist wichtig. Es kann dann die Berufschancen
verbessern, wenn ein fachlicher Bezug zur künftigen
Arbeit erkennbar ist, so Kerstin Vitt, Personalreferentin bei
einer großen Bank.
Ob sich der Doktortitel lohnt, ist von Branche zu Branche verschieden.
Die Mediziner gehören immer noch zu den Spitzenreitern. In
der Humanmedizin gehört der Doktor einfach dazu, bringt
es Frau Kleiner auf den Punkt. Wer im Krankenhaus Karriere machen
wolle, z.B. als Oberarzt, brauche den Titel. Prof. Manfred Dietel,
Dekan der medizinischen Fakultät der HU, betont, bei der
Einstellung von Assistenten sei die Note der Promotion entscheidend.
Bei vielen Chefärzten ist das wissenschaftliche Thema
wichtig, sagt Dietel. Chefärzte interessiere ebenfalls,
welche Literatur in der Doktorarbeit zitiert werde.
Bei den Chemikern ist der Doktortitel quasi eine Einstellungsvoraussetzung.
Wichtig sei aber auch, wo jemand promoviert habe und in welcher
Zeit der Bewerber Studium und Promotion absolviert habe, meint
Dr. Wolfgang Petry, Personalreferent der Abteilung Forschung bei
Schering. Auch bei Biologen und Physikern zeichnet sich laut Arbeitsamt
eine ähnliche Entwicklung ab.
Wer nach dem Studium im wissenschaftlichen Bereich weiterarbeiten
will und eine Laufbahn an einer Hochschule oder außeruniversitären
Forschungseinrichtung beginnen möchte, der kommt um den Erwerb
des Doktortitels nicht herum.
Doch nicht überall ist der Doktorhut so entscheidend: So
haben Banken keine gesteigertes Interesse an Promovierten. Sie
haben bei uns keine besseren Chancen, stellt Frau Vitt klar.
Praktische Erfahrung während des Studiums sei ein wichtigeres
Einstellungskriterium. Auch in der Werbebranche können Jungakademiker
mit Titel nicht mit großen Vorteilen rechnen. Manuela Flaskamp,
die Geschäftsführerin der Werbeagentur Flaskamp, betont,
eine Promotion werde zwar gewürdigt, bringe aber keine
besseren Chancen mit sich. Bei ihrer Werbeagentur ist Berufserfahrung
erforderlich, ob nun mit oder ohne Titel. Auch beim Bundesinnenministerium
bringt der Doktorhut keine Pluspunkte bei der Einstellung.
Die Frage, ob sich der Doktortitel bezahlt macht, läßt
sich also nicht generell beantworten. Ein Doktortitel ist keine
Gewähr für eine Bilderbuch-Karriere, auch nicht für
einen ausbildungsadäquaten Job. Ist aber erst einmal ein
Arbeitsplatz gefunden, so wird eine Promotion nach Auskunft des
Hochschulteams finanziell honoriert. Frau Kleiner: Allerdings
ist das von Branche zu Branche und von der Position des promovierten
Absolventen im Unternehmen abhängig.
Infos:
Kontakte zu den Hochschulteams in Berlin:
Arbeitsamt Berlin Mitte, Gotlindestraße 93, 10 365 Berlin,
Tel.: 5555 1989
Arbeitsamt Berlin Südwest, Wrangelstraße 11-12, 12
165 Berlin, Tel.: 8444- 1989
Arbeitsamt Berlin West, Königin-Elisabeth-Straße 49,
14 056 Berlin, Tel.: 3034-1989
Kapitel 3: Ohne Zaster kein Doktor
Als Taxifahrer, Kellner, wissenschaftlicher
Mitarbeiter, Stipendiat... - so finanzieren Nachwuchswissenschaftler
ihre Promotion. Wer keine reiche Erbtante hat und dennoch promovieren
will, der sollte sich zuerst erkundigen, welche Möglichkeiten
der Finanzierung für ihn in Frage kommen. Ob er z.B. die
Möglichkeit hat, eine Drittmittelstelle zu ergattern. Oder
als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität zu
arbeiten und lehren.
Eine mögliche Form der Finanzierung sind Stipendien der verschiedenen
Stiftungen und Förderprogramme. Eines haben diese Programme
gemeinsam: sie fördern nur Begabte. Deshalb muß der
Doktorand sein Studium mit einer guten und sehr guten Examensnote
abgeschlossen haben.
Bei den parteinahen, gewerkschaftlichen und kirchlichen Stiftungen
müssen die Bewerber nicht nur ein weit überdurchschnittliches
Examen vorweisen, sondern auch gesellschaftliches, politisches
oder religiöses Engagement. Ein Parteibuch muß der
Graduierte nicht in der Tasche haben. Auch eine ehrenamtliche
Tätigkeit bei amnesty international, beim BUND oder bei Greenpeace
werden gewürdigt. Allerdings sollte der Bewerber sich schon
mit den unterschiedlichen Grundsätzen der Stiftungen identifizieren
können. Dr. Dr. Anton Bösl, Referent bei der Konrad-Adenauer-Stiftung:
Wer sich allerdings bei den Jusos engagiert, den verweisen
wir an die Friedrich-Ebert-Stiftung. Ähnlich äußert
sich auch Michael Schultheiß, Referent bei der Friedrich-Ebert-Stiftung:
Bewerber, denen es völlig egal sei, ob sie sich bei der Hanns-Seidel-Stiftung
oder der Friedrich-Ebert-Stiftung bewerben, hätten keine
Chance.
Wer einmal in den erlauchten Kreis der Stipendiaten dieser Stiftungen
aufgenommen ist, wird monatlich mit 1400 Mark und einer Sachkostenpauschale
von 110 Mark unterstützt. Er hat die Verpflichtung, an ihren
Seminaren teilzunehmen. Es werde bei diese Veranstaltungen nicht
indoktriniert, sondern thematisch gearbeitet, so gäbe es
Seminare über den Islam oder Pop und Politik,
berichtet Bösl.
Für ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes
kann sich der Promovend im Gegensatz zu den meisten anderen Stiftung
nicht selbst bewerben. Er muß von seinem Doktorvater vorgeschlagen
werden und sein erstes berufsbefähigendes Examen mindestens
mit gut bestanden haben.
Einen spezielle Form der Begabtenförderung bieten Graduiertenkollegs.
Diese Kollegs sind Forschungsgruppen, die sich eines speziellen
Themas angenommen haben. Insgesamt fördert die deutsche Forschungsgemeinschaft
(DFG) 330 Kollegs in den Geistes-, Sozial-, Natur- und Ingenieurwissenschaften
sowie in der Medizin. Von der DFG werden im Rahmen dieser Kollegs
zur Zeit mehr als 4000 Stipendiaten unterstützt. Etwa 2600
Promovenden nehmen an ihnen teil, erhalten aber kein Stipendium
von der DFG.
Kriterien für die Förderung sind ein zügiges Studium
und ein guter oder sehr guter Studienabschluß.
Das Thema der Doktorarbeit sollte zum Forschungsschwerpunkt des
Graduiertenkollegs passen und der Nachwuchsakademiker nicht älter
als 28 Jahre alt sein. Ausnahmen können aus biographische
Gründen gemacht werden. Stipendiaten in den neuen Bundesländern
erhalten 1300 Mark, in den alten Ländern 1400 Mark, die Sachkostenpauschale
liegt jeweils bei 200 Mark. Ausgeschrieben werden die Kollegs
in der Wochenzeitung Die Zeit.
Neben den bundesweiten Förderungsmöglichkeiten gibt
es auch die Möglichkeit, sich um ein Stipendium seines Bundeslandes
zu bemühen. Beispiel Land Berlin: Für Graduierte aller
Fachrichtungen, die an einer Berliner Hochschule promovieren wollen,
gibt es die Möglichkeit, im Rahmen des Nachwuchsförderungsgesetzes
(NaFöG) ein Stipendium zu erhalten. Grundvoraussetzung für
eine Förderung sind hier weit über den Durchschnitt
liegende Leistungen, insbesondere beim Hochschulabschluß.
Wer einen Antrag auf NaFöG-Förderung stellt, muß
sein Forschungsvorhaben auf zehn Seiten zusammenfassen und einen
detaillierten Arbeits- und Zeitplan vorlegen. Da die Förderung
in der Regel für die Dauer von zwei Jahren gewährt wird,
sollte der Zeitplan darauf abgestimmt sein. Auch eine Stellungnahme
des betreuenden Professors muß beiliegen. Der Vorsitzende
der NaFöG-Kommission Prof. Peter Steinbach rät, die
Gutachten von den Professoren rechtzeitig vor den Antragsfristen
anzufordern und nicht auf den letzten Drücker.
Das Stipendium beträgt 1200 Mark im Monat zuzüglich
einer Sachkostenpauschale von 200 Mark.
Genaue Informationen über die Förderprogramme für
Graduierte in den einzelnen Ländern bietet das Buch Fördermöglichkeiten
für Studierende, Herausgeber: Deutsches Studentenwerk,
K.H.Bock Verlag, ISBN 3-87066-399-5, Preis: 26,80 Mark.
In jedem Fall lohnt es sich vor Ort, an der eigenen Uni weitere
Informationen einzuholen, denn manche Hochschulen haben eigene
Förderprogramme. Auch Preise für besonders gelungene
Dissertationen gibt es vielerorts. Frauen sollten sich auch darüber
informieren , ob ihre Uni oder ihr Bundesland spezielle Programme
für Frauenförderung aufgelegt hat.
Auch der deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) fördert
Doktoranden. Neben den großen kirchlichen und gesellschaftlichen
Stiftungen gibt es eine Vielzahl von Einrichtungen, die Promotionen
auf einzelnen wissenschaftlichen Gebieten unterstützen.
Infos über´s Promovieren mit Stipendium:
- Studienstiftung des deutschen Volkes,
Ahrstraße 41, 53175 Bonn,Tel.: 228/82096-285, http://www.studienstiftung.de/foerder/promo.html
- Hans-Böckler-Stiftung, Berta-von Suttner-Platz 1, 40227
Düsseldorf, Tel: 0211/ 7778 -145/6
- Konrad-Adenauer-Stiftung e.V., Begabtenförderung, Rathausallee
12, 53 757 St. Augustin, Tel.: 02241/ 246 310
- Friedrich-Ebert-Stiftung e.V., Godesberger Allee 149, 53 175
Bonn, Tel.: 0228/883-0
- Cusanuswerk Bischöfliche Studienförderung, Baumschulallee
5, 53115 Bonn, Tel.: 0228/ 631407
- Evangelisches Studienwerk e.V. Villigst, Iserlohner Straße
25, 58239 Schwerte, Tel: 02304/ 755 196
- Friedrich-Naumann-Stiftung, Königswinterer Straße
409, 53639 Königswinter, Tel: 02223/ 701 149
- Hanns-Seidel-Stiftung e.V. , Lazarettstraße 33, 80636
München, Tel.: 089/ 1258-301
- Heinrich Böll Stiftung, Studienwerk, Rosenthaler Straße
40/41 10178 Berlin, Tel: 030 28534-400
Kommission zur Vergabe von Promotionstipendien (NaFöG): Freie
Universität Berlin, VI D, Kaiserswerther Straße 16-18,
14195 Berlin. Für die FU Tel: 838 736 41, für die TU
Tel: 314 23929, für die HU: 5153 7206, für die HdK 3185
2409.
Kapitel 4: Immer realistisch bleiben
Der Herr gibt´s den Seinen im Schlaf.
Dieses fromme Wort gilt nicht für Doktoranden. Ihre Themenwahl
und ihre Suche nach einem Doktorvater oder einer Doktormutter
kommt meist nicht aus einer plötzlichen Eingebung heraus,
sondern hat oft eine lange Vorgeschichte. Häufig entwickeln
Studenten ein besonderes Interesse an bestimmten wissenschaftlichen
Fragestellungen, die meist von einem bestimmten Hochschullehrer
bearbeitet werden. Viele machen ihr Spezialgebiet
zum Thema der Magister- oder Diplomarbeit. Der Hochschullehrer,
der an diesem Thema arbeitet, wird zum Betreuer der Arbeit. Und
nicht selten ergibt sich aus einer Examensarbeit der Forschungschwerpunkt
der Promotion. Insbesondere Geisteswissenschaftler haben also
schon vor Beginn des eigentlichen Dissertationsvorhabens auf ihrem
Gebiet geforscht. Ein persönlicher Kontakt zum potentiellen
Doktorvater besteht dann häufig schon.
Das zeigt z.B. die Themensuche der Altgermanistin Kerstin Helmkamp,
die als Assistentin an der FU arbeitet. Sie schrieb ihre Magisterarbeit
über den mittelalterlichen Autor Oswald von Wolkenstein und
schickte das Manuskript Experten auf diesem Gebiet. Aufgrund der
positiven Reaktion beschloß sie, über das gleiche Thema
zu promovieren. Auf ähnliche Weise entwickeln viele Geisteswissenschaftler
ihr Promotionsthema.
Einem anderen Weg bei der Themenfindung schlagen manche Nachwuchswissenschaftler
ein, die an einem Graduiertenkolleg teilnehmen. Erst die Ausschreibung
in der Wochenzeitung Die Zeit regt manche an, sich
mit dem Thema des Graduiertenkollegs auseinanderzusetzen. Ein
persönlicher Kontakt zum Doktorvater vor der eigentlichen
Promotionsphase ist bei den Kollegs eher ungewöhnlich. Erst
wollte ich das Thema meiner Examensarbeit ausbauen, räumt
der Politologe Bernd Schürmann ein, der an dem Berliner Graduiertenkolleg
das neue Europa teilnimmt. Doch dann siedelte er sein
Thema im Rahmen des Kollegs an.
Bei vielen Natur- und Ingenieurwissenschaften sind es die Professoren,
die Themen der Promotionen anregen.
Häufig ist das Promotionsthema in die Forschung des
Institutes eingebunden, erklärt Prof. Manfred Stibler
vom Institut für Elektrische Energietechnik an der Technischen
Universität Berlin. Themenvorschläge von Promovenden
gäbe es kaum.
Auch der Physikprofessor Wolfgang Nolting von der Humboldt-Universität
erklärt, die Themen der Doktorarbeiten richteten sich in
seinem Fach nach dem Forschungsthema des Lehrstuhls. Wenige Nachwuchswissenschaftler
würden eigene Themen bearbeiten.
Doktoranden aller Fachrichtungen haben ein gemeinsames Problem:
Sie brauchen für ihre Promotion länger als ursprünglich
geplant. Das gilt nicht nur die Doktoranden, die ihre Arbeit durch
Jobs finanzieren, sondern auch für Stipendiaten.
Die Diplom-Psychologin Dr. Helga Knigge-Illner von der Studienberatung
der Freien Universität Berlin rät deshalb, schon gleich
zu Beginn des Promotionsvorhabens eine Arbeitsplan zu entwickeln.
Realismus ist dabei angesagt, denn schließlich müssen
Urlaub und Privatleben auch Berücksichtigung finden. Die
Promovenden müssen sich die Frage beantworten, wie viele
Jahre ihres Lebens sie in die Doktorarbeit investieren wollen.
Frau Knigge-Illner schlägt vor, für die erste Phase
der Promotion drei bis sechs Monate zu veranschlagen. Sonst werde
aus der Promotion eine ewige Geschichte. Am Ende dieser
Phase sollte ein Exposé verfaßt werden, in dem auch
der Stand der wissenschaftlichen Diskussion wiedergeben wird.
Dieses Exposé ist Ausgangspunkt für die eigentliche
Forschung, an die sich die Erstellung der Rohfassung und deren
Revision anschließt.
Auch der Studienberater Werner Schulte von der Ruhr-Universität
Bochum betont, daß das Zeitmanagement bei der Promotion
sehr wichtig sei. Ein Drittel der gesamte Promotionszeit solle
der Doktorand für die Endphase einplanen. Dazu gehöre
die Erstellung des endgültigen Textes, seine Überarbeitung,
aber auch Formalien wie das Layouten der Arbeit.
Alexander ist ein seltenes Exemplar unter
den Doktoranden. Er ist ein richtiger Einzelkämpfer: Der
evangelische Theologe promoviert über den deutschen Buddhismus.
Kontakt zu anderen Promovenden hat er so gut wie gar nicht. Er
nimmt weder an einem Graduiertenkolleg noch an einem Doktorandenkolloquium
teil. Aber unglücklich über seine Situation ist er nicht.
Wenn ich mal einen Gedankenaustausch brauche, dann diskutiere
ich mit meiner Frau, die ist auch vom Fach, erzählt
er.
Wer als Doktorand kein ausgesprochener Einzelkämpfertyp ist,
der sollte die verschiedenen Möglichkeiten des Austauschs
mit anderen Promovenden nutzen. Die Studienberatung der Freien
Universität bietet nicht nur Einzelgespräche, sondern
auch einen Jour Fix für Doktoranden an. Themen der Sitzungen
sind z.B. Arbeitsstrategien, Zeitplanung, aber auch Methoden des
kreativen Schreibens oder Autogenes Training.
Oft hätten Promovenden überhöhte Ansprüche
an sich und ihre wissenschaftliche Arbeit, weiß Dr. Helga
Knigge-Illner von der FU-Studienberatung. Die Gruppe kann
eine wichtige Kontrollfunktion übernehmen, meint sie.
Im Gegensatz zu den Forschungs- und Doktorandenkolloquien, zu
denen sich nur Promovenden mit einer ähnlichen thematischen
Ausrichtung einfinden, promovieren die Teilnehmer an ihren Workshops
in unterschiedlichen Fächern. Das ist ein Plus,
meint Frau Knigge-Illner, da gerade Laien durch ihre naiven Fragen
Anstöße für die Arbeit geben könnten.
Viele Doktorväter und -mütter treffen sich mit ihren
Doktoranden regelmäßig zu Forschungsseminaren oder
Doktorandenkolloquien. Die Arbeitsgruppen haben thematische Schwerpunkte.
In ihnen erproben Promovenden aber auch Schlüsselqualifikationen,
wie z.B. das Vortragen eigener Forschungsergebnisse.
Auch die FU-Germanistin Prof. Ingrid Kasten leitet ein Forschungskolloquium.
Nicht sie, sondern die zehn bis 15 Teilnehmer legen gemeinsam
fest, welche speziellen Themen sie bearbeiten wollen.
In der Veranstaltung werden Aufsätze kritisch besprochen,
Texte interpretiert und verschiedene Analysetechniken angewendet.
Auch gemeinsame Projekte wie Reisen und Publikationen werden im
Rahmen des Kolloquiums in Angriff genommen. Der wöchentliche
Arbeitskreis hat auch eine persönliche Note: die Nachwuchswissenschaftler
knüpfen untereinander Kontakte und gehen abends auch mal
ein Glas Wein trinken.
Es gibt Doktoranden, die gleich an verschiedenen Formen des gemeinsamen
Arbeitens teilnehmen. So besucht eine Promovendin im Fach Germanistik
das Kolloquium ihrer Professorin, trainiert in einer privaten
Arbeitsgruppe das kreative Schreiben und nimmt als Gast an einem
interdisziplinären Graduiertenkolleg teil. Die verschiedenen
wissenschaftlichen Arbeitsgruppen würden einander ergänzen,
meint die Jungakademikerin, der Zeitaufwand sei allerdings erheblich.
Sie ist sich sicher, daß eine Doktorand Kommunikationspartner
brauche.
Viele Doktoranden, die im Rahmen eines Graduiertenkollegs ihre
Arbeit anfertigen, wissen um seine Vorteile. Wir haben ein
gemeinsames Büro, berichten Kollegiaten des Graduiertenkollegs
das neue Europa. Durch die gemeinsamen Veranstaltungen
entstehen unter den Doktoranden Kontakte. Ein Graduiertenkolleg
ist die beste Form, seinen Doktor zu machen, meint ein Promovend
in Hinblick auf die Tatsache, daß ein Kollegiat nicht vereinsamt.
Wer seine Promotion durch eine Drittmittel- oder Assistentenstelle
finanziert, der findet an seinem Fachbereich oder Institut auch
außerhalb von Kolloquien und Seminaren Ansprechpartner.
Beim gemeinsamen Mittagessen oder bei einer Tasse Kaffee wird
geplauscht. Die Kollegialität ist sehr gut, meint
Warner Bruns vom TU-Fachbereich Elektrotechnik. Wenn man das Gespräch
mit anderen Mitarbeitern suche, werde man nicht abgelehnt.
Kapitel 6: Rede und Antwort stehen
Die Doktorarbeit ist abgegeben. Doch an
Entspannung ist nicht zu denken: Der mündliche Teil des Promotionsverfahrens
steht noch vor der Tür. Was erwartet den Nachwuchsakademiker
jetzt? Diese Frage ist leider nicht ganz einfach zu beantworten.
Denn jede Fakultät oder jeder Fachbereich regelt in seiner
Promotionsordnung selbständig den Ablauf der mündlichen
Prüfung. So gibt es z.B. an der Philosophische Fakultät
II der Berliner Humboldt-Universität (HU) nur eine Disputation,
ein Promovend an der Theologische Fakultät derselben Uni
dagegen muß zusätzlich ein Rigorosum absolvieren.
Unter einer Disputation versteht man die Verteidigung der Doktorarbeit
- ein öffentliches wissenschaftliches Gespräch über
die Dissertation, für das der Kandidat in der Regel Thesen
vorlegen muß. Das Rigorosum dagegen ist eine mündliche
Prüfung, die in der Regel im Promotionsfach und in den Nebenfächern
der betreffenden Disziplin abgelegt werden muß. Auch Mischformen
aus diesen beiden Prüfungsarten sind mancherorts üblich.
In jeder Promotionsordnung finden sich andere Formulierungen,
betont bei der Durchsicht der verschiedenen Ordnungen. Bettina
Böhm, Dezernentin für akademische und studentische Angelegenheiten
an der Universität Dortmund. Es hilft dem Doktoranden also
nur eins: Sich rechtzeitig die Promotionsordnung seines Fachbereiches
oder seiner Fakultät besorgen und diese gründlich studieren.
Dort ist geregelt, welche Form die mündliche Prüfung
hat und wie lange sie dauert.
Das Rigorosum an der Theologischen Fakultät der HU besteht
z.B. aus einer einstündigen Prüfung im Promotionsfach
und aus bis zu vier 30minütigen Prüfungen in den anderen
Fächern. In diesen wählt der Prüfling in Absprache
mit den Prüfern ein Spezialgebiet aus. Beim Rigorosum handele
es sich eher um ein kollegiales Gespräch, beruhigt
der Theologieprofessor Peter Welten, Vorsitzender des Promotionsausschusses.
Das Prüfungsgespräch sei von einer netten kommunikativen
Atmosphäre geprägt. Auf das Rigorosum folgt zehn
Tage später die 60 bis 90 Minuten lange Disputation, in der
der angehende Doktor theologiae in einem 15- bis 20-minütigen
Vortrag seine Thesen vorstellt und sich anschließend den
Fragen der Prüfer stellt.
Im Fachbereich Physik an der Freien Universität behandelt
das Prüfungsgespräch, das sich an den Vortrag anschließt,
zur einen Hälfte die Arbeit. Die andere Hälfte der Zeit
stünden Themen im Mittelpunkt, die über die Arbeit hinausgingen,
berichtet Prof. Frank Forstmann, Vorsitzender des Promotionsausschusses.
Man wolle sehen, wie der Mann sich schlägt. Auch
dort dauert die Disputation 60 bis 90 Minuten.
Wieviel Zeit zwischen der Abgabe der Doktorarbeit und der mündlichen
Doktorprüfung vergeht, ist ebenfalls unterschiedlich. Nach
Abgabe der Doktorarbeit können sechs Wochen, aber auch mehrere
Monate vergehen, bis die Gutachten vorliegen.
An der Freien Universität Berlin (FU) sollte die Zeit für
die Begutachtung der Arbeit in der Regel drei Monate nicht überschreiten.
Am Fachbereich Physik steht nach sechs Wochen schon das Ergebnis
fest. Zwei Wochen später wird dann die Disputation angesetzt.
In anderen FU-Fachbereichen erfolgt die Verteidigung der Doktorarbeit
in der Regel sechs Wochen nach Abgabe der Gutachten, so Traugott
Klose, Leiter der Abteilung Angelegenheiten von Lehre, Studium
und Weiterbildung. Wer seine theologische Doktorarbeit an
der Berliner Humboldt-Universität im Wintersemester abgibt,
wird in der Regel im anschließenden Sommersemester das Promotionsverfahren
abschließen können. Auch hier gilt wieder: Jeder sollte
sich bei seinem Doktorvater und seiner Fakultät über
die zeitlichen Rahmenbedingung informieren.
Die Literaturwissenschaftlerin Dr. Ulrike Stamm hat sich vor ihrer
Disputation die Gutachten zu ihrer Arbeit durchgelesen und die
Kritikpunkte herausgearbeitet. Acht Wochen lang hat sie sich auf
die Disputation vorbereitet, die Hauptgedanken ihrer Arbeit zusammengefaßt
und Thesen entwickelt. Zwei Thesen gingen über die
Arbeit hinaus, erzählt sie.
Die Inhalte der Doktorarbeit sollten verständlich und interessant
präsentiert werden. Das Handwerkszeug dazu liefern nicht
nur Rhetorik-Kurse, sondern auch Seminare rund ums Thema Promotion.
Auch Dr. Helga Knigge-Illner von der FU-Studienberatung bietet
solche Workshops an. Thematisch sind die Doktoranden in
ihrem Thema drin, sagt Knigge-Illner. Doch wichtig sei auch
der rote Faden im Vortrag. Für sinnvoll hält
sie, das Redemanuskript gut auszuarbeiten, auch wenn der Vortrag
frei gehalten werden sollte. Ungünstig sei es, während
der Disputation nur vom Manuskript abzulesen. Sie rät, den
Blickkontakt zu halten, um so auch die Reaktionen wahrnehmen zu
können. Wer im stillen Kämmerlein promoviere, so Knigge-Illner,
sollte das Vortragen im privaten Rahmen üben.
Checkliste: Die Mündliche
- Sich über den genauen Ablauf der
mündlichen Promotionsprüfung informieren (Promotionsordnung
besorgen, sich vom Doktorvater beraten lassen)
- Als Zuschauer an einer Disputation teilnehmen. So kann sich
der Doktorand ein realistisches Bild über den Ablauf der
Disputation machen.
- Die eigenen Vortragskünste verbessern ( z.B. frühzeitig
an Workshops oder Rhetorikkursen teilnehmen. Auch das Vortragen
vor Freunden und Bekannten übt.)
- Das Redemanuskript für die Disputation sollte eine roten
Faden haben und gut verständlich sein.
- Der Vortrag sollte frei gehalten werden.
Endlich fertig!? Wer das Rigorosum oder
die Disputation überstanden hat, hat noch keinen Titel. Erst
wenn der Doktor designatus seiner Publikationspflicht nachgekommen
ist, wird ihm die Promotionsurkunde überreicht. Es gibt verschiedene
Wege für Nachwuchsakademiker, dieser Pflicht Genüge
zu tun. Die verschiedenen Möglichkeiten legen die Promotionsordnungen
fest: Die immer noch klassische Variante ist, seine Dissertation
in einem wissenschaftlichen Verlag zu publizieren. Eine andere
Möglichkeit ist die Vervielfältigung im Copyshop. Auch
die Mikrofiche-Edition ist in der Regel als Publikationsform gestattet.
In Zukunft werden aber immer mehr Wissenschaftler ihre Doktorarbeiten
elektronisch publizieren. Die Humboldt-Universität zu Berlin
bietet beispielsweise seit vergangenem Jahr die Publikation von
Dissertationen im Internet an - egal, an welcher Fakultät
die Doktorarbeit angesiedelt ist.
Wer seine Dissertation in einem wissenschaftlichen Verlag veröffentlicht
sehen möchte, sollte vorher gründlich recherchieren,
wer für ihn in Frage kommt. In Deutschland gibt es eine große
Zahl von Anbietern: Doch Kosten, Leistungen und Renommee der einzelnen
Verlage sind höchst unterschiedlich. In manchen Verlagen
entscheiden Gutachter darüber, ob eine Dissertation ins Programm
aufgenommen wird. Andere legen weit weniger strenge Kriterien
an. Klaus-Peter Veit vom Wissenschaftlichen Verlag Berlin (wvb)
rät, beim Verlagsvertrag darauf zu achten, ob das Buch mindestens
fünf Jahre lieferbar bleibt.
Der Nachwuchswissenschaftler muß für die Publikation
seiner Dissertation in der Regel einen Druckkostenzuschuß
bezahlen. Dieser beträgt meist zwischen 2000 bis 4000 Mark,
manchmal auch weit mehr. Institutionen wie z.B. die Deutsche Forschungsgemeinschaft
oder die Verwertungsgesellschaft Wort gewähren ausgewählten
Autoren nach einer qualitativen Überprüfung eine Druckbeihilfe.
Einen Überblick über Verlage und Druckkosten bietet
das Buch Wer verlegt meine Doktorarbeit? von Dietwald Marschang,
das 1997 im Eichborn Verlag erschienen ist.
Dr. Olaf Schäfer hat vor der Veröffentlichung seiner
Promotion fünf Verlage in der ganzen Bundesrepublik angeschrieben
und sich Verträge zukommen lassen. Er kritisiert, daß
Verlage häufig kein Lektorat übernehmen. Für die
Fehlerfreiheit und ein ansprechendes Buchlayout sei dann der Autor
zuständig, der einen reprofähige Ausdruck abliefern
müsse. Das hat mich gestört, meint der Erziehungswissenschaftler.
Er hat schließlich einen kleinen Berliner Verlag gefunden,
der seine Arbeit nicht nur gedruckt, sondern auch lektoriert hat.
Die Arbeit wurde sehr genau gelesen, lobt er.
Von der Möglichkeit, auf Mikrofiche zu veröffentlichen,
nahm Schäfer trotz der geringen Kosten Abstand: man sei zum
Lesen der Dissertation auf ein spezielles Lesegerät angewiesen
... ein gewichtiges Argument gegen diese Form der Veröffentlichung.
Auch in Zukunft werden sich insbesondere Geisteswissenschaftler
weiter für die herkömmliche Verlagspublikation entscheiden,
meint Dr. Norbert Martin, stellvertretender Direktor der HU-Universitätsbibliothek.
Für das wissenschaftliche Fortkommen sei die Publikation
in einer renommierten Verlagsreihe von Bedeutung. Eine Publikation
im Internet habe aber nicht das gleiche Renommee. Der große
Vorteil dieser Publikationsform: Das Veröffentlichen im Netz
ist kostenlos. Allerdings muß der frischgebackene Doktor
vier Exemplare seiner Arbeit drucken und binden lassen.
Infos zum Thema Druckbeihilfe
Deutsche Forschungsgemeinschaft, Verlagsreferat,
Kennedyallee 40, 53175 Bonn, Tel: 0228/ 8851
Förderungs- und Beihilfefonds Wissenschaft der VG Wort, Goethestraße
49, 80336 München, Tel: 089/ 514 12 77.
(Diese Serie ist in verschiedenen Versionen in Audimax und Berliner Morgenpost erschienen.)
© Anja Schreiber -
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