Das Portal für
Selbstdarsteller
von Anja Schreiber
Der Traum von der eigene Webseite. Endlich kann alle Welt die
selbst verfassten Gedichte lesen oder die Fotos der letzten Familienfeier
bestaunen.
Doch zuvor muss sich der ambitionierte Nutzer der harten Realität
der Homepagegestaltung stellen. Und die beginnt mit einer sehr
banalen, aber wichtigen Frage: Warum will ich überhaupt eine
Homepage bauen? Im Netz kann jeder alles veröffentlichen.
Aber wer mehr Nutzer erreichen will als sein Bekanntenkreis sollte
vorher darüber nachdenken, was er auf seiner Seite präsentieren
will. Der HTML-Fachmann und Autor Stefan Münz rät, sich
zu überlegen, "womit man anderen Menschen etwas geben
kann", wo man also selbst etwas zu sagen hat. "Berichte
persönlich Betroffener über nichtalltägliche Krankheiten
sind beispielsweise Gold wert. Das ist es letztlich, was eine
Seite interessant macht: sie muss konkrete Inhalte anbieten, den
Menschen, die nach diesen Inhalten suchen, entscheidend weiterhelfen."
Genauso hat es Georg Burkhard gemacht. Auf seiner privaten Homepage
www.roma-online.de hat er sich mit Rom ein Thema gesucht, das für
viele Nutzer interessant ist. Wie erfolgreich er damit ist zeigt
die Statistik: 13000 mal wurde seine Seite im Januar angeklickt.
Er hat 1996 klein angefangen. Mehr als fünf Links und drei
Fotos, so Burkhard, waren zuerst nicht zu sehen. Doch aus den
kleinen Anfängen ist eine professionelle Page geworden, die
für Rom-Touristen einen hohen Informationswert hat. Sehr
nutzerfreundlich sind z.B. die von ihm zusammengestellten Besichtigungstouren.
Hier erfährt der Besucher nicht nur Fakten über die
Sehenswürdigkeiten, sondern auch, wie er diese mit öffentlichen
Verkehrsmitteln erreicht. Auch Infos über Hotels, Restaurants
und vieles mehr sind abrufbar. Und was Burkhard selbst nicht an
Fakten liefert, das findet man per Link auf anderen Seiten.
Doch vor so einem grandiosen Erfolg haben die Internet-Götter
den Schweiß gesetzt. Grundvoraussetzung für das Erstellen
von Websites ist ein leistungsfähiger Computer mit einer
entsprechenden Software. Münz rät zu einen PC mit 128
MB Arbeitsspeicher und einem neueren Betriebssystem wie Windows
2000. Natürlich braucht der Websitebastler auch einen Internetzugang.
Münz: "Heute genügt meist ein anonymer Zugang,
bei dem man sich einfach mit einer Call-by-Call-Nummer einwählt
und zwischen 2,5 und 5 Pfennig pro Minute bezahlt."
Wer eine festen Vertrag mit T-Online oder anderen Providern hat,
ist allerdings im Vorteil. Meist bieten diese Provider ihren Kunden
ohne Aufpreis Webspace an. Und ohne den wird der Traum von der
eigenen Seite nicht Wirklichkeit. Denn hier wird die Homepage
gespeichert. Dadurch ist sie jederzeit verfügbar, auch wenn
der Homepage-Besitzer gerade nicht im Internet ist. Münz
macht in puncto Webspace keine Kompromisse: "Bei allem, was
kein reines Jux-Projekt ist, sollte man die Finger von Anbietern
lassen, bei denen man für ein paar Pfennige im Monat oder
kostenlos Webspace erhält. Denn normalerweise wird dort automatisch
aufpoppende Werbung eingeblendet." Und diese Werbung empfinden
die Mehrheit der User als lästig. Die meisten Suchmaschinen
machen um solche Massenserver einen Bogen. Der HTML-Spezialist
empfiehlt deshalb Einsteigern einen Anbieter für 10 bis 50
Mark im Monat.
Eine Frage taucht bei vielen Internetneulingen immer wieder auf:
Brauche ich eine eigene Domain? "Domain" ist der Begriff,
über den man die Homepage im Internet findet wie z.B. berliner-morgenpost.de.
Die gute Nachricht: man braucht keine eigene Domain, allerdings
muss man dann eine längere Homepage-Adresse in Kauf nehmen.
Doch man werde schon fast als Exot bestaunt, wenn man keine eigene
Domain habe, meint Münz. Wer wissen will, ob seine gewünschte
Domain noch frei ist, sollte den betreffenden Namen einfach mal
versuchsweise im Browser aufrufen. Kommt eine Fehlermeldung, ist
die Adresse wahrscheinlich noch zu vergeben. Ist der Name noch
frei, kann man diesen bei seinem Provider, einem Händler
oder der zuständigen Vergabestelle registrieren lassen. Für
die de-Domains ist z.B. die DeNIC zuständig.
Wer all diese Fragen zu Webspace, Provider und Domain geklärt
hat, kann mit der eigentlichen Arbeit beginnen: der Gestaltung
der Homepage. Grundsätzlich gibt es zwei unterschiedliche
Möglichkeiten, mit so genannten HTML-Editoren zu arbeiten.
Der einfache Weg zur eigene Page führt über ein so genanntes
WYSIWYG-Produkt. WYSIWYG steht für "what you see is
what you get", d.h.: schon während der Bearbeitung sieht
man, wie die Seite am Ende aussehen wird. Der Vorteil liegt auf
der Hand: der Nutzer braucht keine HTML-Kenntnisse. Einfache WYSIWYG-Editoren
werden mit Browsern wie dem Microsoft Internet Explorer oder dem
Netscape Navigator mitgeliefert. Doch von diesen Produkten - nämlich
Frontpage Express und Netscape Composer - rät Münz ab,
"weil sie sehr unsaubere HTML-Code erzeugen, was beim Publizieren
im Web nachteilig sein kann." Er empfiehlt Einsteigern den
Namo Web Editor für 300 Mark. Burkhard hingegen hält
den Composer zumindest für Anfänger brauchbar. Andere
bekannte Produkte sind Fusion und Dreamweaver.
In einem wichtigen Punkt sind sich beide einig: Wer eine eigene
Seite bastelt, sollte sich besser mit der HTML-Programmierung
direkt vertraut machen. Dafür gibt es spezielle Editoren.
Münz und Burkhard empfehlen den HTML-Editor "Phase 5"
von Ulli Meybohm, denn er sei nicht nur hervorragend, sondern
auch kostenlos herunterzuladen. Georg Burkhard hat außerdem
noch einen ganz heißen Tipp: die Dokumentation SELFHTML.
Stefan Münz ist Autor dieses im Netz frei zugänglichen
und kostenlosen Werkes. Irgendwann komme für jeden ambitionierten
Webseitenbastler der Moment, an dem er ohne Programmier-Kenntnisse
in HTML, CSS, JavaScript oder Perl nicht mehr auskommt. Schließlich
eröffnet die Gestaltung einer Homepage schier unendliche
Möglichkeiten.
Doch gerade deshalb warnen Internetexperten vor dem "wilden
Gezappel animierter Grafiken". Münz: "Es hat sich
mittlerweile auch bis in die Marketingabteilungen herumgesprochen,
dass ein Webangebot umso effizienter ist, je schneller und ungestörter
der Anwender navigieren kann." Der Trend ist klar: weniger
ist mehr.
Münz hat für Anfänger noch ein paar Tipps auf Lager:
Eine Webseite sollte gut lesbar sein. Zu schwache Kontraste können
z.B. bei Anwendern mit einfachen Laptops zu Darstellungsproblemen
führen. Doch auch wenn die Seite bereits fix und fertig ist
lauern noch einige Gefahren auf dem Weg zu einer erfolgreichen
und vielbesuchten Page. Jeder Browser stellt die HTML-Codes anders
dar, d.h. die gleiche Seite kann auf Netscape 4.7 anders aussehen
als auf dem Internet Explorer 5.0. Der Rat der Experten: Die Seite
vorher auf verschiedenen gängigen Browsern testen und eventuelle
Fehler ausmerzen. Spätestens jetzt erweisen sich HTML-Kenntnisse
als hilfreich.
Was ist HTML?
HTML steht für HyperText-Mark-up Language. Diese Programmiersprache
wird zum Erstellen von Seiten im World Wide Web verwendet. Eine
Webseite besteht aus reinem ASCII-Text, wie er von den einfachsten
Editorenprogrammen erstellt wird. Zum HTML-Dokument wird dieser
ASCII-Text durch das Hinzufügen von so genannten "Tags".
Diese HTML-Befehle geben das Aussehen einer Seite grob vor. Allerdings
werden viele Details wie Schriftart und -größe nicht
ausschließlich von dem HTML-Code beeinflusst, sondern durch
die entsprechende Einstellung des Browsers, auf dem die Webseite
gerade aufgerufen wird. Abgesehen davon kann ein und die selbe
Seite auf dem Internet Explorer ganz anders aussehen als auf dem
Netscape Navigator.
Links
www.top-download.de Diese Seite bietet PC-Nutzern jede Menge Shareware
und Freeware zum herunterladen. Wer eine Homepage bauen will,
kann sich auf dieser Seite mit kostenloser Software versorgen.
www.meybohm.de/htmledit/ Hier gibt es Infos und die Downloadmöglichkeit
des kostenlosen HTML-Editors "Phase 5".
www.teamone.de/selfaktuell/ Unter dieser URL kann man die Dokumentation SELFHTML
kostenlos herunterladen.
www.online-kosten.de Auf dieser Seite finden sich gute Infos, welcher
Internetzugang am geeignetsten ist.
www.cooltips.de/webprovider/ Auf dieser Startseite kann man sich auf die Suche
nach einen geeigneten Provider für Webspace machen.
www.denic.de Hier kann man erfahren, ob die
gewünschte de-Domain noch frei ist oder eine Domain registrieren
lassen. Es kann allerdings preiswerter sein, eine Domain bei seinem
Provider oder einem darauf spezialisierten Unternehmen registrieren
zu lassen.
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